Frau Gräbner erzählt:

Erste Deutsche im Land waren zu Anfang des 19. Jahrhunderts Missionare der "Rheinischen Mission". Sie errichteten Siedlungen wie Bethanien und Gibeon, versuchten die Sprachen der Einheimischen zu lernen und aufzuzeichnen und brachten vielen von ihnen die deutsche Sprache bei. Als dann 1882 Lüderitz das Land für die Deutschen in Besitz nahm, konnten also viele Schwarze bereits Deutsch. Auch war es keine "feindliche Übernahme", keine Annektierung, sondern er kaufte es den Nama ab. Er übervorteilte sie, aber er stahl es ihnen nicht. Das erleichterte natürlich das Zusammenleben zwischen den alten Einwohnern und den neuen Siedlern. Da die Kolonialgesellschaft nicht in der Lage war, Ordnung im Lande zu halten, wurde aus Deutschland die Schutztruppe entsandt. Das waren keine Soldaten sondern eine Polizeitruppe, meist zweite oder dritte Söhne hanseatischer Offiziers- und Adelsfamilien.
Wenn dann diese nach einiger Zeit, aus welchen Gründen auch immer, aus der Schutztruppe ausschieden, wurde ihnen von der deutschen Verwaltung günstig Farmen zum Kauf angeboten. Dabei wurde abgeschätzt, wie groß eine Farm sein muss, damit ein Farmer davon leben kann. Dies waren 3.000 ha im Norden, 5.000 ha um Windhoek, 10.000 ha weiter südlich und 15.000 ha ganz im Süden. Zusätzlich wurde ein Drittel des Landes nicht vergeben, damit in zu erwartenden Dürrezeiten dieses Staatsland als zusätzliche Weidefläche genutzt werden konnte. So wurde nach und nach das ganze Land von deutschen Farmern besiedelt, die - da sie weder wegen Verfolgung (wie z.B. die Hugenotten) ausgewandert, noch als Sträflinge deportiert worden waren - ihr Deutschtum weiterhin hochhielten.
Als der erste Weltkrieg ausbrach, übernahmen die Engländer das Land, die männlichen deutschen Siedler wurden interniert. Als sie nach dem Krieg zurückkehrten, konnten sie nicht enteignet werden, da das Land nicht Staatseigentum war, sondern die Siedler rechtskräftige Kaufverträge vorweisen konnten. Außerdem kamen viele, um sich als Kaufleute und Händler niederzulassen. So kommt es, dass auch nach über 90 Jahren sowohl der Handel als auch der größte Teil der Farmen in deutschstämmiger deutschsprachiger Hand ist.
Dagegen ist Afrikaans die Sprache der aus Südafrika eingewanderten, weniger angesehenen Buren und der Schwarzen mit Ausnahme der Ovambo. Die Ovambo sprachen kein Deutsch, da ihr Siedlungsgebiet nie von Weißen besetzt war und lehnten Afrikaans als Sprache der Apartheid ab. Da die Ovambo die zahlenmäßig stärkste Volksgruppe darstellen, wurden sie 1990 nach der Unabhängigkeit in die Regierung gewählt. Um nun weder die Deutschen noch die Buren zu bevorzugen oder zu benachteiligen, wurde Englisch als offizielle Landessprache gewählt.
Auch nach der Unabhängigkeit blieb der Distrikt Walvis Bai südafrikanische Enklave in Namibia. Erst 1995 wurde der Distrikt an Namibia übergeben - Nelson Mandela schenkte ihn der namibischen Regierung.
Da dieser Bezirk natürlich hauptsächlich von Afrikaans sprechenden Menschen bevölkert war - und ist -, weigerten sich diese natürlich, ihre Amts- und Unterrichtssprache auf Englisch umzustellen. Gleichzeitig wurde durch diese Neu-Namibier das Ansehen der Sprache Afrikaans angehoben, das seither halb-offizielle zweite Amtssprache ist und auch teilweise in den Schulen gesprochen wird.
Nicht mehr die zahlenmäßig größte, aber immer noch die reichste Gruppe sind allerdings die Deutschen. Sie investieren meist beträchtliche Summen, um ihren Kindern eine deutsche Erziehung zu ermöglichen. Diese gehen oft in deutsche Internate oder studieren an deutschen Universitäten. Allerdings sprechen die meisten von ihnen alle drei Sprachen - Deutsch, Englisch und Afrikaans - gleich gut. Und viele beherrschen außerdem die eine oder andere Sprache der schwarzen Bevölkerung.