Sonntag, 21.10.2001

Wir stehen wieder sehr früh auf und sind um halb sieben auf der Piste. Am ersten Wasserloch gibt es die erste Portion Müsli, am zweiten die zweite.
Wir ergänzen unsere "Sammlung" an Wasserlöchern um die östlich von Okaukuejo, die wir gestern ausgelassen haben. Dabei sehen wir sehr viele Oryx, Zebras, Kudus, Springböcke, ein paar Steinböckchen, zwei Elefanten im Morgenlicht, einzelne Giraffen und einige Warzenschweine. Als letztes Wasserloch fahren wir noch einmal Nebrowskii an, dort steht einer der weißen Elefanten inmitten von Oryx, Kudus und einigen Straußen. Dann fahren wir noch zu einem Aussichtspunkt direkt am Rand der Etosha-Pfanne, bevor wir nach Okaukuejo zurückkehren. Dort wird noch kurz eingekauft und getankt, schließlich geht die Reise weiter.

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Wir verlassen den Nationalpark in Richtung Outjo, dort biegen wir ab nach Khorixas. Etwa 50 Kilometer vor dem Ziel machen wir noch einen Abstecher zur etwa 20 Kilometer entfernten Fingerklippe. Diese bewundern wir erst aus der Ferne und besteigen dann den Hügel, auf dem sie steht. Dann geht es auf gleichem Weg zurück auf die C39 und schließlich nach Khorixas.
Dort parken wir auf dem Campingplatz des Khorixas Restcamp, wo wir im Restaurant essen und dabei ein Pärchen - Ute und Walter, die wir am Fish River Canyon schon gesehen haben - wiedertreffen. Mit denen verbringen wir einen netten Abend, bevor sich jeder zurückzieht. Die einen, um ins Bett zu gehen, wir um unsere Tagebücher aufs Laufende zu bringen.


Montag, 22.10.2001

Endlich mal wieder ein Tag, an dem wir nicht früh aufstehen müssen. In aller Ruhe frühstücken, dann fahren wir zurück in den Ortskern von Khorixas.
Wir finden die Bank, dann dauert es fast eine Stunde, bis wir Reiseschecks getauscht und dafür namibische Dollar bekommen haben. Erst stehen wir nämlich in der falschen Schlange, dann, als wir am richtigen Schalter endlich dran sind, müssen unzählige Formulare ausgefüllt und mit noch mehr Stempeln versehen werden. Mit all diesen Formularen werden wir dann an den nächsten Schalter geschickt, an dem wir erst mal wieder Schlange stehen müssen. Als wir dann dran sind, werden alle Angaben auf den Formularen überprüft und nachgerechnet und alles mit Rotstift abgehakt. Daraufhin bekommen wir unser Geld ausbezahlt.
Draußen auf dem Parkplatz gibt es dann ein Palaver, weil ein Schwarzer unsere Autoscheiben geputzt hat und dafür Geld will, ein anderer sagt, er hätte aufs Auto aufgepasst und möchte auch was. Da wir beim einen gesehen haben, dass er die Scheiben gewienert hat, bekommt er etwas, und um den anderen loszuwerden, geben wir ihm auch was, aber weniger. Einem dritten kaufen wir fein verzierte Anhänger ab, die er "extra für uns" - mit Namen drauf - gemacht hatte. Ein vierter taucht auf mit einem 10-Mark-Schein, den er nicht losbekommt, und ich kaufe ihn ihm ab. Dann aber nichts wie weg, bevor noch jemand kommt und was von uns will.
Allerdings müssen wir noch einkaufen. Das übernimmt Chriss, während ich nebenan tanken fahre. Dummerweise klemmt unser Kofferraumschloss mal wieder, dieses Mal so gründlich, dass ich von innen mit dem Messer nachhelfen muss, bis die Klappe endlich aufgeht. Aber dann geht’s los.

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Direkt hinter Khorixas endet der Asphalt und die darauf folgenden Kilometer Schotterpiste sind mit dem übelsten Wellblech, das mir jemals untergekommen ist, verziert. Erholung bietet zwischendurch der "versteinerte Wald", durch dessen Gelände wir von einem netten jungen Mann geführt werden, der auch für unsere Fotografiererei Geduld aufbringt.
Auch nach der Führung halten wir uns da noch einige Zeit auf, da ein junger Mann mich anspricht, ob er ein paar Liter Benzin haben könnte. Er bietet dafür Steine, Dendriten oder welche mit Tropfhöhlungen. Wir verzichten auf die Steine, er bekommt aber trotzdem sein Benzin. Während er es sich aus unserem Ersatzkanister abzapft, schenke ich den herumstehenden Kindern Kekse und fotografiere sie. Vor der Abfahrt machen wir im Auto noch kurze Rast, dann fahren wir weiter.
Beim verbrannten Berg und den Orgelpfeifen bleibe ich am Auto, während Chriss alleine loszieht. Schließlich fahren wir noch zu den Felsgravuren von Twyfelfontein. Dort tun wir uns mit einem Schweizer Pärchen zusammen, um ein paar Dollar Führergebühr zu sparen.

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Leider erwischen wir einen Guide, der äußerst lustlos ist, immer sehr schnell vorangeht und uns zu den Gravuren nur das nötigste erzählt. Außerdem kürzt er, wenn ich den Rundgang heute mit der Führung vergleiche, die wir 1996 hier hatten, deutlich ab und zeigt lange nicht alle sehenswerten Objekte. Allerdings ist er uns auch auf dem Rückweg weit voraus und dann sofort verschwunden, so dass wir nicht in die Verlegenheit kommen entscheiden zu müssen ob wir ihm Trinkgeld geben oder nicht.
Dann fahren wir zurück zum Campingplatz Aba Huab, wo wir für die Nacht einchecken. Dort schaffe ich es beinahe, auf dem Campingplatz das Auto im Sand festzufahren. Erst mit einigem Schaukeln bekomme ich es wieder frei.
Dummerweise geht ein heftiger Wind, der viel Sand mit sich trägt. Zum Kochen und Essen suchen wir deshalb den Windschatten des Autos. Da es nach Sonnenuntergang auch recht kalt wird, verziehen wir uns bald ins Bett.


Dienstag, 23.10.2001

Wir kommen gut aus den Federn, sind - für unsere Verhältnisse - früh fertig und lange vor 10 Uhr auf der Strecke. Das ist auch gut so, denn die Piste ist nicht sehr gut und immer wieder von Sandlöchern durchzogen, so dass Chriss nur langsam fahren kann. Dafür sehen wir aber, kaum dass wir unterwegs sind, drei Klippspringer über die Straße und in die Felsen hüpfen. So, wie sie von Felsblock zu Felsblock springen, beweisen sie, dass sie ihren Namen zu Recht tragen. Außerdem entdecken wir einige Springböcke sowie Spuren und Losung von Elefanten.
Wir fahren auf Nebenstraßen Richtung Brandberg, und das wird letztlich zu unserem Verhängnis. Dort, wo der Ugab gequert werden muss - es geht eine etwa einen Meter hohe Böschung hinunter und dann durch tiefen Sand - streckt Chriss die Waffen. Sie meint, das Auto festzufahren, würde sie mir überlassen. Und prompt schaffe ich das auch. Kaum die Böschung hinunter, sitzen wir auch schon gründlich fest. Durch Hin- und Herschaukeln buddelt sich das linke Hinterrad nur immer tiefer ein. Wir stellen fest, dass wir ohne Hilfe hier nicht mehr herauskommen.
Also ziehe ich los, während Chriss anfängt, das Auto freizuschaufeln. Glücklicherweise sind wir kurz vorher an einigen Hütten vorbeigekommen, zu denen ich jetzt zurückgehe. Und schon an der ersten Hütte habe ich Glück, ein älterer Mann ist da und ich erkläre ihm mein Problem. Er scheint sich damit auszukennen, offensichtlich sind Touristen öfter so doof, hier hineinzufahren.
Er ruft seiner Frau etwas in ihrer Sprache zu, dann geht er mit mir los. Wir machen einen kleinen Umweg, um seine Schaufel zu holen, dann sind wir wieder am Auto, wo Chriss bereits fleißig gegraben hat. Der Mann besieht sich die Sachlage, gibt seiner Frau - die inzwischen auch gekommen ist - auf Damara ein paar Kommandos und verschwindet dann wieder. Zu dritt - die Damarafrau, Chriss und ich - machen wir uns dann daran, das Auto freizulegen. Das ist gar nicht so einfach, weil der gesamte Unterboden beinahe aufsitzt und also jede Menge Sand unter dem Auto herausgeholt werden muss. Außerdem lasse ich an dem festgefahrenen Rad die Luft aus dem Reifen.
Als wir mit der Arbeit beinahe fertig sind, kommt - gut getimed - unser erster Helfer mit noch zwei Männern und einer Frau zurück. Einer der Männer - später stellt er sich uns als Hendrik vor - übernimmt das Kommando. Er überprüft das Ergebnis unserer Schaufelei, Chriss als die leichtere von uns beiden wird ans Steuer verfrachtet und dann wird kräftig geschoben. Und ruck-zuck ist der Wagen aus der Kuhle heraus - allerdings nach vorne, in die Richtung, in die wir nun nicht mehr wollen. Dann ein kurzer Befehl, und alle sammeln Äste und Holzstücke, mit denen das vom Rad ausgebuddelte Loch aufgefüllt wird. Rückwärtsgang einlegen, Lenkradeinschlag korrigieren, Gasgeben und schieben, und plötzlich steht der Wagen wieder oben auf der Böschung. Große Freude bei allen!
Jetzt holen wir den (glücklicherweise vorhandenen) Kompressor hervor, schließen ihn an den Zigarettenanzünder an und verpassen dem Reifen wieder ein wenig Luft. Inzwischen erzählt und Hendrik, dass er am Brandberg als Führer arbeitet und einen besseren Weg dorthin kennt (sein Kommentar: warum müssen die (blöden) Touristen immer hier in den Ugab fahren ...). Uns ist das natürlich sehr recht, da wir sonst ungefähr 50 Kilometer Umweg fahren müssten. Also verteilen wir Dankeschön-Geschenke; ich mein schönstes (immerhin noch sauberes) T-Shirt an unsere Schaufel-Freundin, Chriss eines an ihren Mann. Außerdem verteilen wir Äpfel und lassen noch eine Flasche Wasser da. Dann kommt es zur großen Verabschiedung.
Hendrik quetscht sich zu uns ins Auto und zeigt uns den Weg. Erst ein kurzes Stück zurück, und dann rechts ab. Die Piste ist nicht schlechter als die, auf der wir gekommen sind. Wir kommen an ein paar Häusern vorbei, Hendrik erklärt uns, das sei eine Schule. Dann der Ugab. Breit, tiefer Sand, aber keine Böschung. Hendrik befiehlt: zweiter Gang, und: "drive!". Und so kommen wir problemlos durch. Weiter geht es auf inoffiziellem, aber direktem Weg zum Brandberg. Wir überqueren die Straße, auf der wir gekommen wären, wenn ...
Die Piste ist inzwischen teilweise nur die Andeutung eine Fahrspur im Sand zwischen Grasbüscheln; ohne Hendrik hätte ich mich hier - wenn überhaupt - nur mit einem 4x4 hineingetraut. Wir fahren an Hendriks Wohnhaus vorbei - er ruft seiner Frau und seinen Kindern aus dem fahrenden Auto heraus ein paar Worte zu. Dann weiter. Wir kommen an einer Ansammlung von ein paar Hütten vorbei, Hendrik geht kurz hin, um seinen Schlüssel zu holen. Nächster Halt ist das "Haus", eine Buschmannhütte, in der Hendrik lebt, während er arbeitet. Er erzählt uns, am Brandberg arbeiten 24 Führer; immer 12 sind 12 Tage lang im Dienst und haben dann 12 Tage frei für Frau und Familie.

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Wir machen einige Fotos von Hendrik mit seinen beiden Hühnern vor seiner Hütte und versprechen, ihm die Bilder zu schicken.
Jetzt ist es nicht mehr weit, wir treffen auf die "Hauptstraße" zur White Lady und sind dann auch schon am Parkplatz. Dort geht Hendrik zu den anderen Guides und wir machen erst mal Pause. Mit Wasser und Broten gestärkt, ziehen wir dann die Wanderschuhe an. Wir bekommen Jürgen als Führer zugeteilt - Hendrik hat erst morgen wieder Dienst. Wir verabschieden uns von ihm und danken ihm nochmals für seine Hilfe, dann gehen wir los zur White Lady. Allerdings merke ich bald, dass mir die Hitze - es ist halb vier, als wir losgehen - zu schaffen macht. So drehe ich nach einer knappen halben Stunde um, während Chriss mit Jürgen weitergeht. Langsam spaziere ich zurück zum Parkplatz. Dort unterhalte ich mich ein wenig mit den Führern und einem deutschen Pärchen, das noch ankommt.
Von ihnen erfahre ich, dass der Supermarkt in Uis jetzt im Moment (es ist halb sechs) schließt und die Tankstelle wahrscheinlich auch nicht länger auf hat. Da wir ohne zu tanken und Trinkwasser zu bunkern nicht weiterfahren können, fällt also unser Plan, westlich des Brandberg im Busch zu campen, ins nicht vorhandene Wasser.
Inzwischen beschließe ich, meine Wanderschuhe Hendrik zu schenken, als Dankeschön für seine Hilfe. Ich schreibe also einen Zettel, binde den an die Schnürsenkel und bitte einen der Führer, sie morgen Hendrik zu geben, was der mir auch verspricht.
Als Chriss und Jürgen dann wieder da sind, nehmen wir ihn bis zu den Hütten der Führer mit. Dann beschließen wir kurzfristig, nicht in Uis zu übernachten, sondern das Ugab Wilderness Camp anzufahren. Dieses liegt wildromantisch, mitten im Rivier des Ugab, mit vielen Bäumen, Vögeln und sogar Elefanten. Diese stehen, gar nicht weit entfernt, zwischen den Bäumen.
Der Ranger gibt uns noch Verhaltenstipps, was zu tun ist, falls die Elefanten das Auto angreifen. Dann fahren wir zu unserem Stellplatz und fangen an, es uns gemütlich zu machen. Da tauchen in der Dämmerung ein paar große Tiere auf - Elefanten? Dank meines lichtstarken Fernglases erkenne ich dann aber, dass es keine Elefantenbabies, sondern Rinder sind. Großes Aufatmen - so gern wir die Elefanten mögen, direkt nebenan wollen wir sie doch lieber nicht. Daraufhin kochen wir unser Abendessen und gehen dann bald ins Bett. Wegen der Elefanten sind die Fenster aber nur spaltbreit geöffnet.


Mittwoch, 24.10.2001

Nach dem Frühstück verlassen wir das Ugab Wilderness Camp und fahren nach Uis. Da wir im Camp die Wasserkanister gefüllt haben, müssen wir in Uis nur noch tanken. Das ist auch besser so, denn dort werden wir sehr heftig angebettelt, so dass wir froh sind, weiterfahren zu können.
13 Kilometer hinter Uis verlassen wir die C35, um westlich des Brandberg auf holpriger, sandiger, kiesiger Piste weiterzufahren. Diese Strecke wird im Reiseführer nicht umsonst "Welwitschia-Highway" genannt, denn wir sehen sehr viele, sehr schöne Exemplare dieser seltsamen Pflanze.
Allerdings ist es auch berechtigt, dass der Führer von einer Allradpiste spricht, die mit viel Vorsicht auch von einem PKW befahren werden kann. Wir haben zwar keinen Allradwagen, aber zum Glück auch keinen PKW - die Piste ist teilweise sehr felsig und geht manchmal auch durch tiefen Sand. Aber die Landschaft entschädigt für alle Rüttelei (und das Fahren macht viel Spaß). Wir haben erst einen herrlichen Blick auf den Brandberg und erleben dann die "Mondlandschaft" des Ugab.
Am Ugab entlang geht die Fahrt dann zur Küste. Hier ist die Kieswüste wirklich absolut. Wüst. Öde. Außer ein paar Salzbüschen keine Vegetation. Aber als wir dann die Küste erreichen, wird es auch nicht besser. Es ist zwar kein Kies mehr, sondern weißer, salzhaltiger Sand, aber weiterhin unbewachsen, unbelebt. Nur direkt am Ufer, das wir bei Cape Cross anfahren, ist das anders.

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Bestialischer Gestank beim Aussteigen. Unmengen von Robben, leider auch viele tote Robbenbabies. Von diesen kommt wohl der Gestank. Wir halten uns trotzdem lange auf, um die optisch und akustisch interessanten Tiere zu fotografieren.
Erst als die Zeit drängt, fahren wir weiter, nonstop bis Mile 4, einem Campingplatz direkt am Strand, nördlich von Swakopmund. Dort checken wir ein und machen uns stadtfein, bevor wir zum Abendessen nach Swakopmund fahren.
Aus dem Reiseführer suchen wir uns ein Lokal aus, das wir auch fast auf Anhieb finden, und das die Empfehlung wert ist. Wir kommen uns zwar etwas "underdressed" vor, werden aber nicht so behandelt. Nach Vorspeise, Hauptgericht und Heißer Schokolade hinterher fahren wir zu unserem Campingplatz zurück, wo wir ohne große Verzögerung ins Bett fallen.


Donnerstag, 25.10.2001

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Die Nähe zur Stadt wollen wir ausnutzen. Ohne Frühstück fahren wir nach Swakopmund hinein, finden auch einen Parkplatz und gehen erst mal frühstücken. In einem "typisch deutschen" Café mit Konditorei gibt es Omelett und viel Tee, während die Tagebücher aufs Laufende gebracht werden. Anschließend gehen wir bummeln, vor allem im Buchladen schlagen wir beide kräftig zu. Später gehen wir noch ans Meer, um ein wenig Wasser zu sehen.
Gerade, als wir überlegen, in welchem der vielen Terrassencafés wir eine Kleinigkeit zu Mittag essen wollen, winken uns aus einem der Strandcafés Christiane und Martin zu, zwei Psychiater aus Erlangen, die wir am Brandberg kurz getroffen haben. Damit ist die Entscheidung gefallen, wir setzen uns zu den beiden und ratschen und tauschen Erfahrungen aus.
Erst als uns so langsam die Zeit knapp wird, wir wollen ja noch weiter, brechen wir auf. Mit nur einem Zwischenstopp in nur einem Laden gehen wir zurück zum Auto. Dann müssen wir noch tanken und unsere Wasservorräte auffüllen, bevor wir losfahren können.
Auf der B2 fahren wir gute 100 Kilometer ins Landesinnere und biegen dann zur Spitzkoppe hin ab. Das ganze Gebiet um Spitzkoppe und Pondok-Berge ist ein geschütztes Areal, in dem aber an vielen Stellen gecampt werden darf. Wir checken für eine Nacht ein und suchen uns einen schönen Stellplatz, von dem aus wir den Sonnenuntergang sehen können. Das ist allerdings nicht einfach, da viele der Plätze in Tälern oder zwischen Felsen und damit bereits im Schatten liegen. Schließlich werden wir doch fündig, nordwestlich der Spitzkoppe parken wir für die Nacht - gerade rechtzeitig, denn schon geht die Sonne unter.
Dann kochen wir das Abendessen, wegen des kalten Windes eine ziemlich aufwendige Angelegenheit, und gleich nach dem Essen gehen wir - wegen eben diesem Wind - gleich ins Bett.


Freitag, 26.10.2001

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Noch gestern Abend haben wir beschlossen, unsere Pläne noch einmal zu ändern und heute den ganzen Tag hier zu verbringen. Nachdem Chriss mich geweckt hat, um mir die im allerersten Licht leuchtende Spitzkoppe zu zeigen, muss ich gleich - noch im Nachthemd - anfangen zu fotografieren. Zwischendurch ziehe ich mich an und mache, während Chriss noch liegen bleibt, einen Halbe-Stunde-Morgen-Foto-Spaziergang.
Dann frühstücken wir miteinander und fahren los, zu einer von zwei Naturbrücken. Wir besichtigen sie, besteigen sie und fotografieren (was sonst) sie. Dann geht’s weiter, zu Buschmannszeichnungen im Tal zwischen Spitzkoppe und den Pondok-Bergen, danach zum Buschmanns-Paradies.
Um dorthin zu kommen, muss man - nach abenteuerlicher Autofahrt - einen der glatten Granitbuckel der Pondok-Berge ersteigen. Dazu geht es erst geschätzte 50 Meter mit Ketten gesichert in Falllinie den Berg hinauf, dann etwa noch mal so viel im flacheren Bereich ungesichert und weglos. Zu allem Übel reißt bei meiner Trekking-Sandale (die Wanderschuhe habe ich ja Hendrik hinterlassen) gleich am Anfang die Öse des Fersenriemens, so dass ich schon befürchte, aufgeben zu müssen. Chriss hat dann eine glänzende Idee zu einer Improvisation, und das hält wirklich.
So komme ich hinauf in das Hochtal, wo unter einem riesigen überhängenden Fels die Buschmannzeichnungen zu finden sind. Leider sind sie schon sehr verblasst und teilweise auch zerstört, aber manches ist immer noch zu erkennen, zum Beispiel ein rotes Nashorn. Wir halten uns dort einige Zeit auf, bevor wir wieder absteigen.
Wir fahren am Büro vorbei, um für die zweite Nacht zu bezahlen, dann zur anderen Naturbrücke. Auf diese kommt man zwar nicht hinauf, sie steht aber freier als die andere und bietet schöne Durchblicke. Hier halten wir "Mittagspause" (es ist schon nach zwei) und genießen ausgiebig die Aussicht. Nach einer ergiebigen Fotosession gehen wir wieder zum Auto, um die Spitzkoppe zu umrunden. Auf teilweise sehr sandigen Pisten geht es rings um den Berg herum, bis wir wieder zur ersten Steinbrücke kommen, die wir heute Vormittag besucht haben.
Hier parken wir um zu übernachten und besteigen noch mal den Fels unter der Brücke. Chriss malt und trommelt, und ich schreibe, bis es mir zu unbequem wird. Dann gehe ich zum Auto, mache dort alle Türen auf und lege mich aufs Bett zum Weiterschreiben. Zum Sonnenuntergang komme ich wieder zum Vorschein und klettere auch noch mal - in Badelatschen - auf einen der Felsen. Anschließend wollen wir Abendessen machen, bei dem starken Wind streikt aber unser Kocher und es gibt nur kaltes Essen. Danach verschwinden wir schnell im Bett, um uns zu wärmen.


Samstag, 27.10.2001

Heute starten wir ohne Frühstück - es ist saukalt, in der Gasflasche ist fast nichts mehr, die Vorräte gehen zur Neige und Lust, Frühstück zu machen, haben wir auch nicht. Also verabschieden wir uns von der Spitzkoppe und fahren los.
In Usakos fahren wir die erste Tankstelle an. Dort können wir zwar tanken, aber nicht die Gasflasche füllen lassen. Also fahren wir zur zweiten. Dort klappt es dann mit dem Gas, außerdem können wir einkaufen - endlich mal wieder frisches Obst! - und schließlich auch frühstücken. So gestärkt, fahren wir dann - bis auf zweimal Fahrerwechsel wegen akuter Müdigkeit - nonstop durch bis Daan Viljoen.
Dort machen wir gleich beim Hineinfahren eine kleine Rundfahrt durchs Gelände. Dabei sehen wir noch mal einige Tiere - Oryx, Gnus, Zebras - und haben eine tolle Aussicht auf Windhoek. Nach dem Einchecken fahren wir durch zum Restaurant, wo wir kurz vor Ende der Öffnungszeit kommen und gerade noch ein kleines Mittagessen bekommen (Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelbrei).
Danach suchen wir uns auf dem Campingplatz einen schönen Stellplatz und machen uns dann auf zum Pool. Leider hat der kein Wasser, und so ziehe ich mich wieder an und wir gehen zum Picknickplatz am Stausee. Dort legen wir uns in den Schatten und machen uns einen faulen Nachmittag und lesen.

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Als die Sonne weg ist, gehen wir zurück zum Auto und erleben eine Überraschung: Auf dem Nachbarstellplatz steht ein Wohnwagen mit Vorzelt, und dieses wird von einer Gruppe (halbwüchsiger?) Paviane als Trampolin benutzt. Die turnen darauf herum, springen vom Wohnwagendach auf die Zeltplane und toben wie wild. Chriss und ich stehen daneben und lachen uns krumm über die Mätzchen der Paviane. Doch als schließlich die Plane reißt, lege ich die Stützen des Vorzelts auf den Boden, damit nicht noch mehr passiert, und wir bekommen ein schlechtes Gewissen, dass wir die Sache nicht früher beendet haben.
Als die Paviane hier nichts mehr zum Spielen finden, machen sie sich auf den Weg in Richtung auf unser Auto. Ich plustere mich auf und erkläre den Pavianen, ich sei hier der größere Affe. Das akzeptieren sie auch und verschwinden.
Schließlich wird es Zeit fürs Abendessen - im Restaurant sind wir die einzigen Gäste. Danach noch ein kleiner Spaziergang zurück zum Auto, und wieder ist ein Tag vorbei.


Sonntag, 28.10.2001

Ein ganzer fauler Tag! Erst wollen wir nicht aus den Federn, weil es so kalt ist, später haben wir einfach keine Lust dazu. Irgendwann stehe ich dann doch auf und gehe duschen, anschließend setze ich das Kaffeewasser auf. Chriss ist inzwischen auch auf, und wir frühstücken. Dabei beschließen wir, heute nichts zu unternehmen, und das halten wir auch fast durch.
Immerhin packen wir unsere Taschen und räumen das Auto auf, zwischendurch ratschen wir mit den Nachbarn, trinken unser Savannah und deren Rotwein und Kaffee mit Zwieback. Abends gehen wir zum Essen wieder ins Restaurant, sind zwar heute nicht die einzigen Gäste, werden aber ganz besonders herzlich bedient. Anschließend verabschieden wir uns von den netten Kellnern, wandern zurück ins Camp und gehen schlafen.


Montag, 29.10.2001

Wir haben zwar mal wieder den Wecker gestellt. Ich stehe aber schon vorher auf, gehe ins Bad und richte dann das Frühstück. Anschließend müssen wir nur noch das ganze Gepäck auf die Betten verfrachten und können losfahren. Dummerweise werden wir am Gate nach dem Permit gefragt, doch ich erkläre, dass wir Heimfliegen müssen und das Permit aus Versehen ganz nach unten in die Tasche gesteckt haben. Als wir versichern, bezahlt zu haben, dürfen wir dann so ausfahren.
In kürzester Zeit sind wir in Windhoek, wo wir noch mal voll tanken und dann zu unserer Pension fahren. Dort ist unser Zimmer noch nicht fertig, wir erledigen aber schon die Formalitäten und dürfen unser Gepäck unterstellen. Wir fahren dann weiter, das Auto abgeben. Zwar sind wir schon um halb zehn da, statt wie verabredet um elf, aber die - vermutlich - Haushälterin lässt uns rein und informiert dann Herrn Nolte. Während wir auf ihn warten, spielen wir mit den Hunden und dann ist die Übergabe ruck-zuck und problemlos erledigt. Herr Nolte nimmt uns mit zurück in die Stadt, und dann stehen wir da und haben noch den ganzen Tag vor uns.
Als erstes setzen wir uns in ein Straßencafé und genehmigen uns einen Saft und eine Verschnaufpause. Anschließend werden die Läden gestürmt und noch einmal eingekauft. Zwischendurch gibt es mittags Elandbraten mit Spätzle und gegen drei Uhr gehen wir zur Pension, wo wir das Zimmer beziehen und Siesta halten. Später verpacken wir unsere Einkäufe und machen uns für den Abend stadtfein.
Das Lokal, das wir aus dem Reiseführer herausgesucht haben, übersteigt aber unsere finanziellen Möglichkeiten. Wir wollen ja unsere letzten Dollar ausgeben und nicht mit Karte bezahlen. Schließlich finden wir in der Post Street Mall ein Restaurant, das zu uns passt. Wir essen Pizza und wandern anschließend zurück zu unserer Pension, wo wir bald ins Bett gehen.


Dienstag, 30.10.2001

Ich wache auf, zehn Minuten bevor der Wecker klingelt. Fünf Minuten später, um fünf, stehe ich auf - Reisefieber? - und gehe duschen. Kurz vor sechs ist auch Chriss fertig und wir gehen frühstücken.
Pünktlich (!) um halb sieben werden wir von einem jungen Mann abgeholt, der uns zum Flughafen fährt. Einchecken und Sicherheitskontrolle sind schnell - na ja, verhältnismäßig schnell - erledigt, aber dann heißt es warten. Da "unsere" Maschine mit einer Stunde Verspätung angekommen ist, kann sie natürlich nicht pünktlich abfliegen. Aber die Wartezeit geht auch vorbei. Wir treffen unerwartet den Hausherrn von Düsternbrook, der allerdings nicht wie wir mit LTU, sondern Air Namibia fliegt. Außerdem hoffen wir, Bärbel zu treffen, die sich aber nicht blicken lässt.
Schließlich dürfen wir aber doch einsteigen und dann geht’s in Richtung Heimat.


Fazit:

4 Wochen
ca. 5.200 km
55 belichtete Filme
69 Seiten Tagebuch (handschriftlich)
vorläufig 18 Seiten andere Texte

ein toller Urlaub


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