Das Wetter

Namibia ist fast ausschließlich ein Land des Sonnenscheins. Beinahe die gesamte bewohnbare Landesfläche bekommt drei Viertel ihres Tageslichts in Form von direktem Sonnenlicht.
Der ständige Sonnenschein sorgt für milde bis warme Wintertemperaturen und warme bis heiße Sommer. In Winternächten kann es in den meisten bewohnten Teilen des Landes Frost geben, doch die Tage, an denen es unter 20°C bleibt, sind an einer Hand abzuzählen. Im Winter sind die Tage meist klar und es ist mit mindestens 10 1/2 Stunden Sonnenschein zu rechnen. An diesen Tagen zeigt das Thermometer gegen 11 Uhr oft schon 20°C an. Die Temperatur fängt erst zwischen 16 und 17 Uhr wieder an zu sinken. Wer einen Winterabend draußen verbringen möchte, sollte allerdings zumindest eine warme Jacke mitnehmen.
Im Sommer ist es, außer bei Regen, eher mild als kühl. Die Mindesttemperaturen kurz vor Sonnenaufgang liegen selten unter 15°C. Schon um 8 Uhr morgens steht das Thermometer auf über 20°C. Noch vor 11 Uhr steigt es auf 25° und vor 13 Uhr auf 30° an. Die Höchsttemperaturen sind von der Höhenlage des jeweiligen Ortes abhängig, steigen jedoch selten über 35°C und allerhöchstens auf 42°C. Die Temperatur beginnt erst kurz vor Sonnenuntergang wieder zu sinken. Während eines durchschnittlichen Sommers kann es bis zu 30 Nächte geben, in denen die Temperatur über 25°C liegt.
Diese hohen Temperaturen sind jedoch örtlich beschränkt. Auch ist die Luft dabei trocken, so daß die Hitze meist recht erträglich und keineswegs mit tropischer, feuchter Hitze zu verwechseln ist. Während der Regenzeit sorgt der Regen für hohe Luftfeuchtigkeit, aber dafür für niedrigere Temperaturen.
Das Klima Namibias wird durch seine Lage in den randtropischen Breiten bestimmt. Der Wendekreis des Steinbocks verläuft durch die Landesmitte. Eine lange Trockenzeit, die eine kühlere Jahreszeit einschließt, wird von einer kurzen Regenzeit im Südsommer unterbrochen, in der die wenigen Niederschläge fallen - zumeist in heftigen Regengüssen, nach denen es schnell wieder aufklart. Der äußerste Norden und Nordosten gehören noch zum tropischen Einflußbereich und werden im Sommer, wenn die Sonne über der nördlichen Landeshälfte im Zenit steht, von den Ausläufern tropischer Regen erreicht. Im Ovamboland, Kavangoland und Caprivi-Zipfel ist daher bei über 500 mm jährlichem Niederschlag noch Regenfeldbau möglich. Nach Süden und Westen zu wird es zunehmend trockener, die Niederschläge sinken auf Werte unter 100 mm. Verteilung und Menge der Niederschläge sind aber in den einzelnen Jahren höchst unterschiedlich. Im Küstenbereich gibt es praktisch keinen Regen.
Regen ist in Namibia so gut wie eine Seltenheit. Hin und wieder gibt es ein regenreiches Jahr, aber dazwischen gibt es immer wieder trockene Schönwetterperioden. Insgesamt gibt es mehr Sonnen- als Regentage bei allgemein hohen Temperaturen. Jahre der Dürre oder Jahre, in denen es nur äußerst selten regnet, sind jedoch die Norm.
Winterregen ist äußerst selten, besonders im Landesinnern. Nur ein begrenztes Gebiet im Südwesten bekommt den Großteil seines Niederschlags als Winterregen. Da dieses Gebiet den Rest des Jahres überhaupt keinen Regen bekommt, ist dieser Teil des Landes sehr trocken.
Die Regenzeit im Rest des Landes setzt im Oktober ein. Damit beginnt auch die Zeit der Gewitter, die während der nächsten zwei Monate an Häufigkeit zunehmen. Januar und Februar sind in der Regel die regenreichsten Monate des Jahres, doch auch noch im März und Anfang April kann guter Regen fallen. Der Sommer ist Ende April oder Anfang Mai zu Ende, und danach ist nur im Ausnahmefall mit Regen zu rechnen.
Die Küste unterscheidet sich in bezug auf das Wetter stark vom Inland. Entscheidenden Einfluß auf das Klima hat der kühle Benguelameeresstrom, der seinen Ursprung in den Gewässern der Antarktis hat und an der Westseite des südlichen Afrika nordwärts zieht. Der Benguelameeresstrom, dessen durchschnittliche Temperatur etwa 12 bis 14°C beträgt, kühlt die Luft an der Küste bis zum Kondensationspunkt ab. Auf diese kühlen Luftschichten legen sich warme Luftmassen aus dem Landesinnern. Auf diese Weise entstehen die Nebelbänke, die regelmäßig bis weit ins Landesinnere vordringen. In durchschnittlich 100 Nächten pro Jahr kommt es dadurch über dem Küstenstreifen zu starker Nebelbildung. Meistens klärt es sich bald nach 10 Uhr morgens auf. Je weiter man von der Küste entfernt ist, desto größer ist die Aussicht auf nebelfreie Morgen. Nebel gibt es vor allem im Küstenstreifen nördlich von Walvis Bay, obwohl er überall an der Küste vorkommen kann. Meist folgen neblige Nächte auf Tage, an denen es fast oder ganz windstill war, oder an denen eine leichte nordwestliche Brise wehte. Außerdem sorgt der Benguelameeresstrom dafür, daß an der Küste kaum Niederschlag fällt, denn die von Westen kommenden Luftmassen werden über dem kalten Wasser abgekühlt und können daher keine Feuchtigkeit aufnehmen.
Die südlichen Teile der Küste liegen im Gürtel der Passatwinde. Dieser unaufhaltsame Wind wird oft durch ein Tiefdruckgebiet über der nördlichen Küste verstärkt, und ebenso durch den Einfluß eines ständigen Hochdruckgebiets über dem südöstlichen Atlantik. Oft erreicht der Passatwind eine Windstärke von 50 Knoten, wobei Windstärken von 25 bis 40 Knoten in Lüderitz und Umgebung alltäglich sind. Obwohl es dort ab und zu windstill sein kann, bleibt Lüderitz den meisten Touristen als die "Südostwindstadt" in Erinnerung.
Klimatologisch kann die Namib-Wüste als Teil der Küste betrachtet werden, da sie sich als Küstenebene die gesamte Küste entlang erstreckt. Die Niederschlagsmenge ist in diesem Gebiet sehr gering, aber kühle Luft, die weit ins Landesinnere vordringt, mildert die starken Auswirkungen des fehlenden Regens auf die Wüste. Die Temperaturen sind hier im Winter oft höher als im Sommer, da im Winter in der Zentral- und Südnamib oft ein Bergwind weht. Der Bergwind ist eher seiner Hitze als seiner Windstärke wegen bekannt, aber dennoch stark genug, um Sandstürme zu verursachen, die auch bei geringer Stärke unangenehm sind.
Mit dem gründlichen Studium der klimatischen Verhältnisse war es zur Kolonialzeit noch nicht weit her. Während das Mikroskop in anderen Kolonien über Malaria, Schlafkrankheit und Viehseuchen bereits aufgeklärt hatte, schien in Südwestafrika kaum jemand zu begreifen, "was Barograph (Luftdruckschreiber), Aneroid (Aneroidbarometer, Luftdruckanzeiger) und Thermometer in sachkundiger Hand dem Lande leisten können". Zweifellos hätten lückenlose Temperatur- und Regenbeobachtungsreihen auch die Aussichten des Anbaus bestimmter Kulturpflanzen vorhersehbarer gemacht. Immerhin hatte eine bescheidene Witterungskunde herausgefunden, daß die Temperaturen des Südwinters (Juli) im ganzen Schutzgebiet niedriger lagen, als es der steilen Sonneneinstrahlung entsprochen hätte. Und Gleiches galt im Westen Südwestafrikas für den Südsommer (Januar). Der Gesamtcharakter wies also eine "negative Anomalie" auf. Als eine ihrer Ursachen wurde die am Kap der Guten Hoffnung von der Westwinddrift nach Norden abzweigende "Benguelaströmung" ermittelt, eine kühle Meeresströmung, die entlang der Küste Südwestafrikas bis über die Kongoströmung hinaus wirkt.
Schwierigkeiten hatten die Meteorologen jener Tage, die Entstehung von Niederschlägen zu erforschen. So mußte man sich damit begnügen, die Luftdruckverteilung über Festland und Ozean zugrunde zu legen, Windbahnen zu konstruieren und dann, je nach Ausdehnung der vom Wind bestrichenen Wasserfläche, den Regenreichtum abzuleiten. Dieses Verfahren führte zu höchst wunderlichen Widersprüchen. Ein Forscher (der Engländer Buchan) schrieb den Hauptwinterregen im Gebiet um Kapstadt südwestlichen, ein anderer (der Deutsche Passarge) nordwestlichen Winden zu. Nicht selten wurde der Südostpassat als Regenbringer für Ost- und Zentralafrika gepriesen, obwohl die Regenfälle in Kimberly (so der Engländer Sutton 1904) von Nord- und Nordostwinden herangeführt werden, wohin "schon jeder Hottentott weist, wenn man ihn nach dem Regenwind fragt". Einig waren sich die Forscher jedoch, was die Ursachen der Regenarmut Südwestafrikas betraf. Sie rechneten dieses Gebiet jenem Trockengürtel zu, der sich auf der Südhalbkugel (wie entsprechend auch auf der Nordhalbkugel) in der Nähe des Wendekreises um die Erde zieht.

Die Flora

Der Name Namibia beschwört Visionen ausgedehnter Wüstenflächen herauf - in Wirklichkeit weist das Land jedoch eine interessante und vielfältige Pflanzenwelt auf: es wachsen hier etwa 300 einheimische Bäume und 3500 Blütenpflanzen. Die Vielfalt des botanischen Erbes ist jedoch weniger bedeutend als die Tatsache, daß hier einige der ungewöhnlichsten Pflanzenarten der Welt einheimisch sind.
Die Vegetation Namibias kann in drei Hauptzonen eingeteilt werden: Wüste, Savanne und Trockenwald. Innerhalb dieser drei Zonen unterscheidet man 15 Hauptvegetationsarten.
Wüstenvegetation bedeckt ungefähr 16% der gesamten Landesfläche. Sie besteht sowohl aus den fast pflanzenlosen Dünenmeeren der nördlichen Namib als auch den öden Granitebenen zwischen dem Kuiseb- und dem Swakopfluß. In der regenarmen Namib beginnt der Kampf der Vegetation mit dem Klima. Die Pflanzen versorgen sich hier auf höchst unterschiedliche Art mit Wasser. Einige speichern den Wasservorrat in dicken, saftigen Blattkeulen, stark salzhaltiger Blattsaft sorgt dafür, daß "kein Tier den Versuch,... den Durst zu löschen, wiederholt". Andere Arten schützen sich mit bepelzten Blättern vor Austrocknung. Geraniaceen erzielen mit ihren wachsimprägnierten Korkgewebepanzern eine Festigkeit, die sie den stärksten Stürmen aufrecht widerstehen läßt. (Die gedörrten Wachspanzer abgestorbener Pflanzen dienten den Eingeborenen als "Buschmannskerzen" zur Unterhaltung des Lagerfeuers.)
Eine der faszinierendsten Pflanzenarten dieses von Laubarmut gekennzeichneten Vegetationsbereichs ist die eigenartige Welwitschia - eine primitive Pflanzenart, die weder mit zapfentragenden noch mit blühenden Pflanzen verwandt ist. Dabei handelt es sich um eine seltene Gnetacee, deren glänzendgrüne, "wie zerschlissene Bänder am Boden hingerollte" Blätter zwei Meter lang werden. Eine lange Pfahlwurzel senkt sich in härtesten Schotter oder Fels. Statt eines Stammes ragt ein seitlich zusammengedrückter Holzbecher aus dem Boden, von dessen Rändern, je nach Geschlecht, kätzchenförmige oder tannenzapfenähnliche Blüten entspringen.
Umbelliferen kriechen platt vor dem Wind über den Boden, andere Gewächse treiben aus den schnell wachsenden Flugsandhügeln, die sie zu ersticken drohen, ständig neue Zweige, bis diese schließlich auf meterhohen Polstern sitzen. Nebel und Tau müssen allen Namibpflanzen den Regen ersetzen, weshalb die in Meeresnähe gedeihenden leuchtendbunten Flechtenarten als typische Glieder einer "Nebelvegetation" klassifiziert wurden.
Bei niederen Pflanzen konnte sich ein Mechanismus entwickeln, der ein Austrocknen (wie eine Art Winterschlaf) erlaubt und bei Befeuchtung ein Wiederaufleben ermöglicht. Hierzu gehören die Flechten, die auch noch an den extremsten Standorten leben können. Es handelt sich hier um eine Pflanzengruppe von großer Bedeutung in der Wüstenökologie. Der Umfang und die Zusammensetzung der Flechtengesellschaften der Namib gelten unter Biologen als einzigartig auf der Erde. Sie siedeln als erste in dem biochemisch armen Wüstenboden, schützen ihn vor Erosion und dienen Mikroorganismen, Insekten und sogar Springböcken als Nahrung. Da Flechten besonders gut bei hoher Luftfeuchtigkeit gedeihen, ist die Nebelwüste nahe der Küste für sie die ideale Gegend. Während des Nebels saugen sie sich mit Wasser voll und sind dann besonders farbenfroh. Da Flechten extrem langsam wachsen, benötigen sie 100 Jahre, um sich zu erneuern. Man sollte sich daher vor ihrer achtlosen Zerstörung hüten. Mehr als hundert Flechtenarten sind an der Küste der mittleren Namib identifiziert worden, von denen viele nur hier vorkommen. Diese kleinen Pflanzen werden oft von Touristen übersehen, aber Wissenschaftler kommen von weither gereist, um diese Pflanzen zu untersuchen. Die Pflanzenwelt im Küstenbereich wird von einigen wenigen Gewächsen bestimmt, die sich vom Klima unabhängig gemacht haben, indem sie, obwohl echte Landpflanzen, in den Flutbereich des Meeres einwanderten.
Eine weitere Gegend, in der die einheimische Wüstenvegetation in besonderer Vielfalt vertreten ist, ist die Wüsten- und Fettpflanzensteppe im Süden des Landes. Dort dominieren die Pflanzen, die eine spezielle Überlebenstechnik entwickelt haben. Dazu gehören endemische Fettpflanzen (Sukkulenten), die das wenige ihnen zur Verfügung stehende Wasser im Stamm, in den Blättern oder in der Wurzel speichern. Auch kommen mindesten zehn verschiedene Aloen nur in dieser Gegend vor.
Kommen wir dann in die Vollwüste hinein, werden die Anpassungsstrategien der Pflanzen noch extremer. Dort gibt es Gewächse mit nur sehr kurzer Vegetationsperiode (Ephemeren), die als Samen oder Frucht überdauern und jahrelang auf eine günstige - feuchte - Gelegenheit warten. Andere Pflanzen (Geophyten) überdauern in Form unterirdischer Speicherorgane (Zwiebeln, Knollen, Rhizome).
Obwohl die Etosha-Pfanne selten als Wüste bezeichnet wird, ist die 5000 km² große Pfanne in Wirklichkeit eine Salzwüste. Der Pflanzenbewuchs am Rande der Pfanne wird der Zwergstrauchsavanne zugeordnet.
Ungefähr 64% der gesamten Landesfläche ist von Savannenvegetation bedeckt, die in acht Gebiete eingeteilt wird. Dazu gehören auch die Mopanelandschaft im Nordwesten Namibias, die Hochlandsavanne Zentralnamibias und die Kameldornsavanne im Osten.
Dabei hängen Art und Dichte der Vegetation natürlich in erster Linie von der Höhe der Niederschläge ab, so daß insgesamt gesehen von Südwesten nach Nordosten der Baum- und Buschbestand dichter wird. Andererseits spielt eine große Rolle, ob die Niederschläge sich im Untergrund halten können oder ob sie gleich abfließen und verdunsten. Da sich im Gebirge das Wasser in Klüften und Spalten ansammelt und ebenso in den Betten der Trockenflüsse die Schotter und Kiese einen natürlichen Speicher bilden, sind solche Gebiete vegetationsreicher als benachbarte mit derselben Niederschlagsmenge.
In der Übergangszone von der Namib zum Binnenland erheben sich, wo immer Regenwasser in kleinen Felskesseln zusammenläuft, kleine gelbblühende Bäume - Lebeckien - und bilden versteckte Paradiese für Bienen, Wespen und Schmetterlinge. Die Vegetation entfaltet sich um so reichhaltiger, je mehr landeinwärts mit zunehmender Meereshöhe die Luftfeuchtigkeit steigt. Jenseits der Namibgrenze wächst eine 4-5 m hohe Liliacee, von den Buren "Kokerbaum" genannt, weil die Namas früher aus dessen jungen Stämmen die Köcher für ihre Pfeilspitzen schnitten. Immer häufiger treten Wolfsmilchgewächse auf, bis sich dann mit Grasfluren und Buschwerk die Savanne ankündigt, eine Flur der Trockengräser mit verstreutem Gehölz. In der Trockenzeit ein trostloser Anblick, ändert sich das Bild mit dem ersten Regen in wenigen Tagen. Im Dezember sprießt überall helles Grün, zu dem sich wenig später zahlreiche Kräuter und Narzissen gesellen - von gelb und weiß über blau bis violett. Allgemein gelobt wurden einst die "herrlichen Weidegründe" im südlichen Namaland und in den Hochgebieten des Damaralandes und des Kaokoveldes. Was die Forscher erstaunte, war die Tatsache, daß in der Kalahari das Gras auf sandigem Boden am üppigsten gedieh. Analysen ergaben, daß der Gehalt des Kalaharisandes an den wichtigsten Pflanzennährstoffen nur einen Bruchteil der vergleichbaren Werte des Wesermarschlandes aufwies, das Vieh auf den Weiden jedoch trotz dieses vermeintlichen Mangels "so fett wie in jenen Marschen" war. Des Rätsels Lösung: Im Steppensand bleiben die wachstumswichtigen Bestandteile des Steppensandes "mundgerecht" als feinster Staub erhalten.
Die gehölzarme Steppe des südlichen Kalaharisaumes geht nach Norden hin zunächst in dornige Buschsavanne über, deren Baumbestand bis hin zu den Trockenwäldern des Norden immer dichter wird. Die westlichen Regionen des Groß-Namalandes haben teils reinen Steppencharakter, teils bildet niedriges, dornenloses Buschwerk eine insbesondere für die Schafzucht geeignete Weide. Insgesamt besteht die Savannenvegetation aus Grasland mit Büschen und verschiedenen Akazienarten. Im Südosten dominiert die Giraffenakazie (Kameldornbaum), Charakterbaum des Kalahari-Beckens und Nationalbaum Namibias. Der Südwestername kam durch Übernahme aus dem Afrikaans zustande; Giraffe heißt dort "Kamelpferd". Das termitenfeste Hartholz dieses Baumes wird als Brennmaterial geschätzt, während die Schoten zum Gerben dienen. In der Landesmitte und im Norden kommt der Anabaum hinzu, im Nordosten die Rosendorn-, die Ringelhülsen- (Schirm-) und die Dreidornakazie; dort wachsen außer Akazien vereinzelt auch wilde Feigenbäume, Makalani-Palmen und Affenbrotbäume (Baobab), im Nordwesten lichte Mopanewälder.
Im Damaraland dominieren Dornsträucher aus der Familie der Akazien, unter ihnen der "Hakjesdorn", von den Buren wegen seiner scharfen Kralldornen sinnigerweise "wacht een beetje" (warte ein bißchen) genannt. Eine Vielzahl nützlicher Sträucher des Damaralandes liefert Früchte, Samen oder süßstoffhaltige Wurzeln. Stattlichster Baum ist der etwa 15 m hohe, eichenähnliche, schattenspendende Omumborombonga, Ahnenbaum der Herero. Auffallend ist auch die ebenso hohe Sykomore, ein wilder Feigenbaum, der eßbare, walnußgroße Früchte trägt.
Eine besondere Rolle spielt die Vegetation der Rivierläufe. Diese bieten dem Boden - "im Gegensatz zum Himmel" - Gewähr für regelmäßige Wasserversorgung, so daß die Pflanzen bleibende dichte Bestände entwickeln können. Als König der südwestafrikanischen Rivierbäume gilt der vornehmlich im Swakopbett heimische Anabaum. Er übertrifft alle anderen an Kraft des Wuchses, an Alter und an Fruchtreichtum. Sein Stamm erreicht mehr als 2 m Durchmesser, im Schatten seiner 20 - 25 m hoch ragenden Krone konnten "5-6 Ochsenwagen ausspannen". Seine 15 cm langen Schoten bedeckten den Boden "wie Korn die Tenne" und wurden vom Weidevieh mehr geschätzt als Gras. Längs aller Riviere leuchten die goldgelben, duftenden Kugelblütenstände des Dornbaums oder -busches, die das Vieh trotz der 10 cm langen Dornen annimmt. Außer den genannten Akazienarten gibt es noch eine Reihe anderer Rivierbäume: Tamariske, Ebenholzbaum und den Tabakbaum. "In den Rivierbetten streckt die Flora des Binnenlandes lange Arme in die ödeste Namib hinein, in ihre Blendung und Glut, in ihren Staub und ihr totes Schweigen legt sie Oasen voller Erquickung aller Sinne, mit Schatten und Kühlung, mit Blütenduft, Vogelstimmen und mit Wasser, dem größten Labsal."
Besonders auffallend im zentralen und westlichen Ovamboland ist die hohe Makalani-Palme, welche die Ufer der saisonbedingten Flüsse umsäumt, und der kolossale Baobab, der in der östlichen Savanne zu finden ist.
Die zentralnördlichen und nordöstlichen Landesteile werden durch eine dichte Baumsavanne und Trockenwald gekennzeichnet. Hier gibt es überwiegend Zambezi Teak und Dolfholz.
Die Pflanzenwelt der nordwestlichen Landesecke steht im scharfen Kontrast zur Vegetation im Rest des Landes. In der Regenzeit werden große Flächen des Gebietes überflutet, wodurch eine Welt von papyrusumsäumten Kanälen, dicht bewachsenen Schilfinseln und stillen, mit einem Teppich von Wasserrosen überwachsenen Seitenkanälen entsteht. Die Bäume an den Ufern der perennierenden Flüsse bilden teilweise ein dichtes Pflanzendach am Rande des Wassers.

Die Fauna

Die vor 150 Jahren noch üppige Tierwelt ist durch Jagd und Besiedlung stark dezimiert worden.
Eine große Vielfalt an Säugetieren, vom Elefanten bis zum winzigen Damara-Kirdikdik, ist in den diversen Habitaten Namibias zu Hause. Zehn dieser Tierarten gelten als geschützt, und zwar der Elefant, das Nilpferd, das Spitzmaul- und das Breitmaulnashorn, Hartmanns Bergzebra und das Steppenzebra, die Giraffe, das Impala, das Angola Schwarzgesichtimpala und der Klippspringer. Viele Arten sind heute weitgehend auf die Wildreservate beschränkt. Nur den verschiedenen Antilopenarten sowie dem Strauß begegnet man in freier Wildbahn häufig, ebenso der Hyäne und dem Schakal, die an der Küste von toten Fischen und Robben leben. Im Kaokoveld, Kavangoland und im Caprivi-Zipfel gibt es Löwen und wenige Elefanten. Im Okavango leben Flußpferde, im Kaokoveld Spitzmaulnashörner. Raubkatzen wie Gepard und Leopard machen vielen Farmern zu schaffen. Das Warzenschwein amüsiert den Beobachter durch den beim Laufen steil aufgerichteten dünnen Schwanz.
Zu den häufigsten Wildbegegnungen im südlichen Afrika gehören wohl diejenigen mit Vertretern der 29 Antilopenarten. Edelstes gehörntes Wild der südafrikanischen Savanne war - und ist noch immer - der im ganzen Groß-Nama- und Damaraland heimische Kudu, die Schraubenantilope, von beeindruckender Schönheit und in der Größe unserem Rothirsch gleich. Seinem nächsten Verwandten dagegen, dem Eland (Elen), fehlten Eleganz und Schönheit völlig. Daß sich, allen Verfolgungen zum Trotz, die Antilope zu erhalten vermochte, hatte materielle Gründe. Der einzelne Schuß erbrachte auch nicht annähernd so viel Gewinn wie ein Treffer auf Großwild. So fanden sich im Gebiet des nordöstlich gelegenen Fluß- und Sumpfterrains verschiedene Spielarten wie Wasserbock, Rooibock, Wasserkudu und Riedbock, ferner der rehkitzgroße Steenbock, die eigentümliche Duckerantilope - die sich bei Gefahr duckt und kriechend vorwärtsbewegt -, der Klippspringer - die Gemse Südwestafrikas - und schließlich neben dem roten Hartebeest das angriffslustige Wildebeest (Gnu). Im Grenzgebiet der Namib weidete zu Hunderten der "Gemsbock", die Oryxantilope, mit einer schwarzbraun-weißen Gesichtsmaske unverwechselbar gezeichnet und mit einem Gehörn aus zwei meterlangen Spießen bewehrt. Der rehgroße Springbock, Urbild der zierlichen Gazelle, bewohnte die offenen Flächen zu Tausenden und Abertausenden. Den Namen gab ihm seine zweidimensionale Springtechnik. Gefürchtet waren die von den Tieren in Dürreperioden unternommenen Massenwanderungen. Der Strom dieser "Trekkbokken" wurde zuweilen so breit und dicht, daß er menschliche Siedlungen nicht ausweichen konnte, sondern die Gehöfte überrennen mußte - wie ein 1896 beobachteter Springbockzug "von mindestens einer halben Million Köpfe". Das Zebra entging dem Schicksal seines Artverwandten, des Quagga, das einem Vernichtungsfeldzug ausgesetzt war, denn: "Die Buren jagten das Quagga, um ihre Hottentotten- und Buschmannssklaven zu füttern und so ihr Vieh zu sparen." Um 1880 war diese Spezies endgültig ausgerottet.
Das stärkste Interesse findet im allgemeinen der Elefant, das größte Landtier überhaupt. Der afrikanische Elefant wird bis 3,5 m hoch und 5000 kg schwer. Seine riesigen Ohrmuscheln, deren Haut auf der Rückseite ziemlich dünn ist, sind von einem Netz feinster Blutgefäße durchzogen, und das zirkulierende Blut kann hier seine Wärme abgeben, besonders wenn der Elefant mit den Ohren fächelt. Pro Tag konsumiert er etwa 100 l Wasser und frißt 350 kg pflanzliches Grün. Kostbarstes Großwild der Kolonialisten war der Elefant. Noch Kapitän Harris traf sie in abgeschiedenen Tälern zu Hunderten. Doch bereits nach 1850 begann das große Schlachten. Von dem Forscher Charles John Andersson ist überliefert, daß er im nördlichen Betschuanaland an einem einzigen Tag mehr als 100 Tiere erlegt habe. Noch 1870 wurden in der Walfischbai zahllose Wagenladungen Elfenbein verschifft. Der zu damaliger Zeit erfaßte Weltverbrauch an Elfenbein erforderte das Erlegen von jährlich 100000 Elefanten. Im Damaraland wurden die letzten Elefantenspuren 1870 ausgemacht. "Die Hoffnung besteht", so ein damaliger Wissenschaftler, "wenigstens in den unberührten Wildnissen des äußersten Nordens und Nordostens den Elefanten zu erhalten."
Heute ist das Nashorn viel stärker in seinem Bestand gefährdet als der Elefant. Man unterscheidet in Afrika das kleinere Spitzmaul- (korrekt: Spitzlippen-, volkstümlich Schwarze) Nashorn, dessen zugespitzte Oberlippe zum Greifen und Abrupfen von Zweigen dient, seiner bevorzugten Nahrung, und das größere Breitmaul- (Breitlippen, Weiße) Nashorn, dessen breite, genau aufeinanderpassende Lippen das bevorzugte Gras abweiden. Es ist also recht genügsam, benötigt jedoch große Areale.
Der Etosha Nationalpark im Norden Namibias gilt als eines der tierreichsten Tierschutzgebiete Afrikas. Die ausgedehnten, offenen Flächen des Parks sind die Heimat großer Herden, die sich auf den Steppen und Ebenen aufhalten - man findet hier Springböcke, Oryx, Steppenzebras und Streifengnus. Auch gibt es hier seltene Arten wie die Pferdeantilope, das Angola Schwarzgesichtimpala und das Spitzmaulnashorn. Zahlenweise folgen in kurzem Abstand nach den Grasfressern die Raubtiere. Der Etoshapark ist beispielsweise für seine große Löwenpopulation berühmt.
Tiere wie Hartmanns Bergzebras halten sich in den Randstufenzonen und auf den Hochebenen Namibias auf. Im Trockenwald im Osten des Landes trifft man die Pferde- und die Rappenantilope an. Dieses Gebiet ist auch gleichzeitig eines der wenigen, in denen der Hyänenhund noch in Rudeln umherstreift.
Besonders faszinierend sowohl für Touristen als auch für Wissenschaftler sind die Wüstenelefanten, Spitzmaulnashörner und Giraffen, die sich in den trockenen Gebieten im Nordwesten aufhalten. Obgleich es sich hier um die gleichen Tierarten wie in der Etosha-Pfanne handelt, mußten sich diese Tiere gewaltig an ihre unwirtliche Umgebung anpassen. Sowohl die Elefanten als auch die Nashörner legen oft weite Strecken über zerklüftetes Terrain zurück, um von einem Wasserloch zum nächsten zu gelangen. Die Kaokoland-Giraffe ist zum Beispiel noch nie beim Trinken gesehen worden.
Die Klasse der Raubtiere Südwestafrikas wurde von den zu jener Zeit noch reichlich vertretenen Löwen angeführt. Ebenso stark verbreitet war der Leopard, "Tijger" genannt und wegen seiner Vorliebe für Jungpferde gefürchtet. Zu beiden gesellten sich der schnelle Gepard, die Wildkatze, der "Rooikat", ein Luchs, das Stinktier und der Honigdachs. Die Familie der Hunde, zu den mittelgroßen Raubtieren gezählt, lieferte die meisten Pelze. Der Gold- oder Schabrackenschakal, so genannt wegen eines schabrackenähnlich aussehenden, schwarzweißmelierten Rückenstreifens, soll einst, so eine Hottentottensage, die Sonne, die ihm als schönes Mädchen begegnete, Huckepack getragen und zur Strafe für diese Aufdringlichkeit versengt worden sein. Der wilde Hund, die raubgierige gefleckte Hyäne - auch "Tijgerwolf" genannt - und der hyänenähnliche Erdwolf mögen die Klasse der Raubtiere beschließen. Die Nager waren durch das Stachelschwein, den Springhasen, eine Vielzahl von Kletternagern und das Erdeichhörnchen vertreten. Den tiefen, weichen Boden der Kalahari durchwühlte das als Fleischkost geschätzte Erdferkel.
Südwestafrika ist häufig als "Affenland" bezeichnet worden. Überall in felsigem Gelände war der Pavian zu finden, ein Harzfresser, Zwiebelgräber und Skorpionjäger, der "kunstgerecht wie ein Entomolog" auf Insektensuche Steine wendet, der Lämmer tötet, in seiner Herde Posten aufstellt und sogar den Leoparden angreift, sobald seine Jungen bedroht sind.
Auch an Vogelarten zeigt das Land einen einzigartigen Reichtum auf, bereits in den 1860er Jahren waren mehr als 425 Arten bekannt. "Wertvollstes Federwild in allen offenen Ebenen von der Namib bis zur Kalahari" war der wilde Strauß, dessen Federn wegen ihrer Größe geschätzt wurden, weshalb denn auch "die Jagd auf den wilden Vogel als der beste Weg, mit eigenem Export am Welthandel sich zu beteiligen", empfohlen wurde. Doch war man sich drüber klar, daß mit fortschreitender Besiedlung - wie in der Kapkolonie - die Zucht an die Stelle der Jagd treten müsse. Als stattlichstes Flugwild galt die große Trappe, von den Buren "Paauw" (Pfau) genannt. Bekanntester Raubvogel war der große Aasgeier, während der würdevoll durch das hohe Gras schreitende Sekretär wegen seiner Scharfsichtigkeit bewundert wurde, als ausgezeichneter Schlangenvertilger galt und deshalb halb zahm als Kükenwächter gehalten wurde. Perlhühner überraschten die ersten Ornithologen durch ihr diszipliniertes Verhalten an kleineren Wasserstellen. Noch war die südwestafrikanische Vogelwelt nicht übersichtlich dargestellt. In großen Zügen jedoch kannte man die unübersehbare Vielfalt: Adler, Weihen, Falken, Bussarde, Eulen, Ziegenmelker, Segler, Schwalben, Raben, Eisvögel, Bienenfresser, Wiedehopfe, Honigsauger, Meisen, Bachstelzen, Drosseln, Pirole, Stare, Lerchen, Bananenfresser, Nashornvögel, Tauben, Klettervögel, Sumpfvögel und Enten. In der Vogelwelt fallen dem Reisenden vor allem die verschiedenen Arten der Webervögel durch ihren Nestbau auf, z.B. durch die kunstvoll geflochtenen Kugelnester. Die großen Gemeinschaftsnester der Siedelweber (Gesellschaftsvögel) sind weithin an einzelnstehenden Bäumen oder sogar Telegrafenmasten zu sehen: 30 bis 100 Paare leben in einer solchen Kolonie.
Der trockene Westen ist die Heimat vieler Vögel, die nur hier vorkommen. Die Küste Zentralnamibias ist zum Beispiel der Brutplatz eines Großteils der weltweiten Gesamtpopulation der Damaraseeschwalbe. Die Namiblerche ist in den Schotterebenen der Zentral- und Nordnamib zu Hause. Die Dünenlerche hingegen ist nur in den Dünen und sandigen Flächen der südlichen Namib zu finden. Einige Zugvögel aus dem Norden erreichen im Norden Namibias die südliche Spitze ihrer Verbreitungszone. Zu ihnen gehören Graufalken und Keilschwanzglanzstare.
Obwohl die Feuchtgebiete nur 5% der Landesfläche bedecken, stellen sich diese aus einer erstaunlichen Vielfalt an Habitaten zusammen, zu denen zum Beispiel in guten Regenjahren die kurzlebigen Pfannen in der Namib und die ausgedehnten Feuchtgebiete des Caprivi zählen. In guten Regenjahren füllt sich die sonst trockene Etosha-Pfanne mit Wasser und wird zur Brutstätte von mitunter bis zu einer Million Flamingos und unzähligen Pelikanen. Weitere "Pfannen" und wichtige Feuchtgebiete gibt es im Buschmannland im Osten des Landes.
Die niedere Tierwelt findet längs der Küste alle erforderlichen Lebensbedingungen vor. Unter den Felsenbewohnern finden sich Stachelhäuter, in flachen Felsbecken leuchtet das bunt der Seenelkenkolonien, das Rotbraun der Kalkalgen, das Hellgrün der Tangwälder. In tiefen Felsspalten hausen Manteltiere und Schwämme gemeinsam mit dem achtarmigen Polypen und der Languste. Die Kapitäne, die zu Beginn der Kolonialisierung ihren Weg längs der südwestafrikanischen Küste nahmen, berichteten vom Reichtum an eßbaren Fischen wie Meerbrassen, Meeräschen und Kabeljau. Während die großen Wale in der ersten Hälfte des 19. Jh. noch in Scharen vor die südwestafrikanische Küste zogen, um dort zu kalben, begannen sie sich zurückzuziehen, als der Mensch ihnen immer intensiver nachstellte. Ungestört dagegen blieben die Delphine.
In der Übergangszone zwischen Wasser und Land hat sich eine vielseitige amphibische Fauna angesiedelt - von Krebsen über Pinguine bis zu Robben. Zu der heute weltweit geächteten gnadenlosen Jagd auf die wertvollen Pelztiere sind die Robbenjäger nicht erst in jüngerer Zeit angetreten. So ist überliefert, daß Kapitän Morrell auf Hollam's Vogelinsel an einem einzigen Tag 1400 Tiere erschlagen ließ. Zu den verschiedenen Pinguinarten gesellen sich häufig der weiße Malagasvogel ("Seegans") und der Kormoran, auch Taucher genannt. Als zeitweilige Strandgäste erscheinen Flamingos und Pelikane. Der "Goliath" aus der Gattung der Lurche ist der wegen seiner Größe und seines Gebrülls bekannt gewordene Ochsenfrosch.
Die Küste zwischen dem Kunene- und dem Oranjefluß bietet unzähligen paläoarktischen Zugvögeln vorübergehenden Aufenthalt. Sandwich und Walvis Bay sind zwei Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung. Im ersteren sind bis zu 170000 und im letzteren 79000 Watvögel beheimatet. Der Nordosten des Landes teilt viele seiner seltenen Vogelarten mit dem Okavango.
Beim ersten Besuch werden die kleineren Kreaturen der Namib-Wüste oft übersehen. Es gibt hier eine faszinierende, vielfältige Tierwelt mit Käfern, Spinnen, Eidechsen und anderen kleinen Lebensformen. Obgleich viele von ihnen scheu sind und sich kaum jemals blicken lassen, sind ein paar Stunden in den Dünen und Schotterebenen der Namib ganz bestimmt nicht vergeudete Zeit, da sich die scheinbar leblose Wüste schon nach kurzer Zeit als sehr lebhaft erweist.

Natur- und Tierschutz

Die ersten offiziellen Naturschutzgebiete Namibias entstanden im Jahre 1907, als der Administrator der deutschen Kolonialherrschaft, Gouverneur von Lindequist, drei Gebiete zu Naturschutzgebieten erklärte. So entstanden das Naturschutzgebiet Nr. 1 nordöstlich von Grootfontein, Nr. 2, welches die Etosha-Pfanne wie auch das Kaokoveld vom Kunene- bis zum Hoarusibfluß einschloß und Nr. 3, welches das Gebiet von Swakopmund bis zum Kuisebfluß umfaßte.
Zuerst waren die Bemühungen in bezug auf Naturschutz hauptsächlich auf Etosha ausgerichtet. Als Südafrika 1915 die Administration des Schutzgebietes übernahm, ging die Verwaltung des Naturschutzgebiets Nr. 2 auf die südafrikanische Polizei über. Im Jahr 1955 gründete dann die südwestafrikanische Administration eine Wild- und Naturschutzabteilung, deren Untersuchungsausschuß im folgenden Jahr empfahl, das Naturschutzgebiet Nr. 3 zu erweitern. Dieses Gebiet schloß nun den Kuiseb-Canyon, das Swakopflußtal und die Welwitschiaflächen ein und erhielt den Namen Namib Wüstenpark.
Etosha wurde 1958 offiziell zum Nationalpark erklärt und dem südwestafrikanischen Ministerium für Naturschutz und Tourismus übergeben. In diesem Jahr wurde aber auch das Naturschutzgebiet Nr. 1 aufgelöst, so daß es nun nur noch zwei offizielle Naturschutzgebiete im Land gab. Die Empfehlungen des Odendaalausschusses, der das Land in ethnische Heimatländer aufteilte, trugen sehr stark dazu bei, ein Naturschutzbewußtsein bei den Einwohnern des Landes zu entwickeln. Während der späten Sechziger- und frühen Siebziger Jahre wurden mehrere Naturschutzgebiete proklamiert.
Mit einer Ausnahme (nämlich des Caprivi Wildparks) wurden alle diese Naturschutzparks außerhalb jeglichen Kommunallandes gegründet. Im Jahre 1983 jedoch erklärte der ehemalige Verwaltungsrat der Kavangobehörde Kommunalland zum Naturschutzgebiet.
Heute stehen ca. 14,8% (12212530 ha) der gesamten Landesfläche Namibias unter Naturschutz.
Was bringt die Zukunft für den Naturschutz in Namibia? In Artikel 95 der Verfassung wird festgelegt, daß der Staat Grundsätze unterstützt, die für "das Erhalten der Ökosysteme, der wesentlichen ökologischen Vorgänge und der Biovarietät des Landes sorgen, wie auch für die tragbare Nutzbarmachung von Naturschätzen zum Vorteil aller Namibier, sowohl heute als auch in Zukunft". Ferner sollen Maßnahmen gegen die Ablagerung oder Wiederverwertung von fremdem Atommüll und Giftmüll auf namibischem Boden getroffen werden. In Artikel 91 wird verlangt, daß alle Beschwerden bezüglich Überlastung sowohl von lebenden als auch nicht ersetzbaren Naturschätzen von einem Ombudsmann untersucht werden. Dasselbe gilt für Beschwerden über Abbau und Vernichtung der Ökosysteme und über das Versäumnis, die Schönheit und den Charakter des Landes zu bewahren.
Verfassungsmäßiger Schutz allein wird jedoch nicht ausreichen, die Umwelt in einem Land wie Namibia zu schützen, wo erstens die Naturschätze begrenzt sind und zweitens starker Druck um Neuverteilung des Landes ausgeübt wird.
Glücklicherweise ist die Naturschutzbehörde während der letzten Jahre zunehmend zur Erkenntnis gekommen, daß der Ausschluß der Bevölkerung aus den Naturschutzgebieten ein Luxus ist, den sich das Land nicht leisten kann. Zudem hat der Tourismus bei den Behörden inzwischen höchste Priorität, und somit scheint die Zukunft der Naturschutzgebiete in Namibia fürs erste gesichert zu sein.


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