Geographie

Namibia, größtenteils im Bereich einer subtropischen Hochdruckzone gelegen, besteht zum großen Teil aus Wüste und Halbwüste.
Das Gebiet ist mit einer Fläche von 824292 km² mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Die Längsausdehnung vom Kunene bis zum Oranje beträgt maximal 1280 km.
Die wissenschaftliche Betrachtungsweise der geographischen Merkmale Südwestafrikas ist in vielen Punkten bis heute unverändert geblieben. Sie ging bereits um die Jahrhundertwende davon aus, daß das Relief Südwestafrikas sich nur als "ein Glied im Gesamtbau der südafrikanischen Landmassen" verstehen lasse. Die Nordgrenze Südafrikas (gemeint ist das gesamte südliche Afrika) bildet die Wasserscheide des Kongo- und des Zambezisystems. Insgesamt stellt sich Südafrika als annähernd dreieckiges Plateau und hoch ansteigendes Tafelland dar, dessen im Nadelkap (Kap Agulhas) konvergierende Flanken sich steil aus dem Meer erheben. Die Randpartien des Gesamtplateaus sind erhöht. Das beckenförmig eingelassene zentrale Gebiet, ein Sandbecken, ist die Kalahari, die kranzförmig von Hochgebieten umgeben wird. Teils sind dies Berge (bis zu 3600 m hoch) oder endlose Hochflächen, teils Tafelgebirge oder zerklüftete Urgesteinsmassen. Auf drei Seiten hat die Natur Namibia seine Grenzen gegeben: im Westen der Atlantik, im Norden das Kunene-Flußbett, im Süden das Oranjetal. Nur seine Ostgrenze knüpft weder an Landschaftsmarken noch an reale Wirtschaftsinteressen, sondern wurde mit Lineal und Winkelmaß schnurgerade durch die Kalahari gezogen. In ihrem nördlichsten Teil stieß ein bleistiftdünner Landstreifen, der wunderliche "Caprivi-Zipfel", bis an den Zambezi vor.
Die charakteristischen Merkmale Südwestafrikas entsprechen im großen und ganzen denen des gesamten Südafrika. Doch lassen Klima- und Reliefzonen ebenso wie der Wechsel von Völker-, Tier- und Vegetationsprovinzen eine zusätzliche Gliederung in natürliche Landschaften erkennen. Klimatische Kräfte grenzen eine Zone des Aufstiegs vom Meer zum Hochgebiet als Wüste ab, den Küstenstreifen der Namib. Im Hochgebiet hatte das schwarzbraune Bantuvolk der Herero oder Viehdamara dem Damaraland, das gelbhäutige Volk der Hottentotten (Namas) dem Groß-Namaland Namen und Wirtschaftscharakter gegeben. Das Kaokoveld, ein wüstenähnliches Gebirgsland, war am Anfang des Jahrhunderts fast unbekannt und ist auch heute noch schwer zugänglich. Die Bewohner einzelner noch immer unbekannter Gebirgsgegenden hausen, wie 1964 zufällig entdeckt wurde, in Höhlen und benutzen Knochen- und Steinwerkzeuge. Das Ovamboland, obwohl ein fruchtbares Ausläufergebiet der Kalaharisenke, mußte lange auf seine Erschließung warten. Die Kalahari selbst geht am Ostrand aus der extremen Steppentrockenheit ihres Südens in die Fiebersümpfe ihres äußersten Nordostens über. Der vom Damaraland, vom Kaokoveld, von der Kalahari und dem Ovamboland umschlossenen Landschaft hat Meyer der zahlreichen Höhlenbildungen ihres Kalkbodens wegen den Namen Karstfeld Südwestafrikas gegeben.
Von West nach Ost lassen sich drei landschaftliche Großräume unterscheiden: die Namib, die Randschwelle mit dem zentralen Hochland und der zum Kalaharibecken gehörende Bereich. Die Namib-Küstenebene, nur von wenigen Bergen überragt, die der Abtragung widerstanden haben, steigt landeinwärts sanft an bis zur Großen Randstufe (Great Escarpment), die gebirgsartig das Land von Süden nach Norden durchzieht. Sie geht in eine Hochfläche über, die sich nach Osten sanft zur Kalahari abdacht.
Die Wüste Namib längs der Küste, eine der trockensten Wüsten der Welt, reicht im Norden und Süden etwas über die Landesgrenzen hinaus und ist von Port Nolloth in Südafrika bis Namibe in Angola 1500 km lang. Die Breite beträgt nur 80 - 120 km. Der südliche Teil wird als Wannen-Namib bezeichnet. Dort sind durch die Wirkung des Windes (Defloration) große wannenartige Hohlformen entstanden. In der Dünen-Namib zwischen Lüderitz und Swakopmund erstrecken sich weite Sandfelder mit Dünen, die (am Sossusvlei) zu den höchsten der Erde zählen. In der nördlich des Kuiseb anschließenden Flächen-Namib treten die felsigen Rumpfflächen wieder zutage. Dort sind die Betten der Trockenflüsse (Riviere), der Abdachung zur Küste folgend, tief eingeschnitten. Bei Regenfall, wenn die Flüsse "abkommen", transportieren sie große Mengen an Lockermaterial zur Küste. Der nördlichste Abschnitt, die Kaokoveld-Namib, ist überwiegend Fels- und Kieswüste.
Ein großer Teil des Landes ist Hochland, im Mittel etwa 1400 - 1800 m hoch gelegen. Hier finden sich die meisten Siedlungen und die Viehzuchtgebiete, im feuchteren Norden Rinderzucht, im trockenen Süden mehr Schafzucht. Das Hochland weist am westlichen Rand ein gebirgsartiges Relief auf, bevor es steil zur Namib-Ebene abbricht. Im übrigen ist es als ebene Rumpffläche ausgebildet, die nur von einzelnen Kuppen härteren Gesteins (Härtlingen) und von Inselbergen überragt wird. Die Temperaturen sind im Hochland deutlich höher als an der Küste, aber nachts kann es empfindlich kalt werden. Nur gelegentlich, an wenigen Tagen des Jahres, fällt einmal Regen. Dann kann es zu gewaltigen Wolkenbrüchen kommen, wodurch die sonst trocken liegenden Flußbetten in kürzester Zeit zu reißenden Strömen werden können.
Nach Osten und Nordosten flacht das Land bis auf etwa 1000 m ab und geht in die weitgespannte Beckenlandschaft der Kalahari über. In diesem Gebiet gibt es zwar mehr Niederschläge als in der Küstenwüste, jedoch keine dauerhaften Gewässer, denn in den sandigen Ablagerungen versickern die Niederschläge sofort. Typisch für die Landschaft des Kalaharibeckens sind daher seine Endseen (Pfannen), die in der Trockenzeit aus fester, weiß-gelber Kruste von Salzlehm bestehen und denen in ergiebigen Regenzeiten von den Flüssen Wasser zugeführt wird. Größte dieser Salzpfannen ist die Etosha-Pfanne.
Die einzigen ständig wasserführenden Flüsse sind die Grenzflüsse: im Süden der Oranje, der auf 500 km Länge Namibia berührt, im Norden Kunene und Okavango, sowie der Zambezi im äußersten Nordosten. Diese Flüsse sind Fremdlingsflüsse, ihre Quellgebiete und die wichtigsten Zuflüsse liegen außerhalb des Landes. Alle Riviere im Landesinnern führen nur zeitweise Wasser, also während der Regenzeit. Allerdings auch dann nicht ständig, sondern nur nach wirklich starken Regenfällen, bei manchen Rivieren auch nur streckenweise. Das Wasser gliedert Namibia in drei Hauptentwässerungsgebiete. Da ist zuerst das Gebiet der Kalahariverrieselung, so genannt, weil deren Riviere abflußlos im Sand verlaufen. Es erstreckt sich über die gesamte breite Ostzone Südwestafrikas. Ein ergiebigeres Entwässerungssystem ist das Feld der wegsamen Oranje-Zuflüsse, dessen stärkste Ader, der Große Fischfluß, das Groß-Namaland von der Windhoeker Gegend ab südwärts zwischen dem 16. und 18. Längengrad drainiert. Als Feld direkten Abflusses zum Atlantik bezeichnete man den ganzen Westen des Landes, dessen größte Riviere, Swakop und Kuiseb, zwischen Oranje und Kunene die einzigen bedeutenden Lebensadern bildeten.
Für wirtschaftlich ungleich wertvoller als die oberirdische Rivierflut wurde das Wasser gehalten, das in der Tiefe, unter Sand und Kies verborgen, "zum Meere sickert und in wechselnder Tiefe (dort) zu graben ist, wo es nicht freiwillig zutage tritt". Der äußerste Norden Namibias nimmt eine Sonderstellung ein: er bezieht einen beträchtlichen Teil des Wassers nicht aus den Niederschlägen des eigenen Gebiets, sondern aus dem Überschuß, den ihm der Kunene in die nach Süden geneigte Senke schickt.
Es gibt nur zwei natürliche Oberflächenseen in Namibia: den Otjikoto-See und den Guinas-See. Beide liegen im Karstgebiet in der Nähe von Tsumeb, haben einen Durchmesser von nur etwa 50 m, sind aber sehr tief. Beide Seen sind ehemalige Karsthöhlen, deren Decken eingebrochen sind. In ihrem frischen, klaren Wasser, das zur Bewässerung benutzt wird, leben Fischarten, die zu den Maulbrütern gehören.

Hauptniederlassungen, Ansiedlungen, Stationen

Missionsgesellschaften ebenso wie einzelne Siedler hatten aus mehreren Gründen bereits um die Mitte des 19. Jh. Versuche unternommen, sich am Nordfuß des Auasgebirges niederzulassen. Im Norden lag Okahandja, wo sich Wege aus den nördlichen und östlichen Bezirken Südwestafrikas kreuzten. Nach Süden führte eine Straße über den Auaspaß direkt in das Bastard- und Groß-Namaland. Nach Osten hin gab es, an einem Rivier gelegen, mehrere Wasserstellen und einzelne Farmen. Und nur in Richtung Westen versperrte das Khomashochland den direkten Weg zur Küsten und machte einen Umweg über Okahandja notwendig, wogegen der nahe gelegene Teil des westlichen Bastardlandes durch das Olifantrivier, den Oanob, mit mehreren Farmplätzen, die als Stationen dienten, verbunden war.
Die in den Tälern um Windhoek mit ihren guten Weiden ansässigen Namas waren 1880 von den viehzüchtenden Hereros angegriffen worden. Diesen Stammesfehden fielen die Ansiedlungen um Windhoek und die dortige Missionsstation zum Opfer. Unter dem Schutz der mit Hilfe von Namas und Bergdamara durchgeführten Errichtung einer festen Station entwickelte sich der Platz rasch. Allerdings konnten ins Land gekommene Farmer im Hinblick auf die Unruhen zunächst keine Farmen übernehmen oder errichten. Sie waren gezwungen, sich als Handwerker, Händler, Kaufleute oder Gastwirte in Windhoek selbst niederzulassen, wo ihnen "die anständig besoldete Schutztruppe... Unterhalt und Verdienst versprach". Als jedoch Frieden herrschte, die Ansiedlung fortschritt und mit erweiterter Verwaltung der Ort selbst immer größer wurde, entwickelten sich von hier aus auch Handel und Geschäftsverkehr mit den Eingeborenen. Seinen Namen verdankte Windhoek einem fast während des ganzen Jahres herrschenden "spürbar kräftigen Luftzug", aus dem in der Trockenzeit - September bis November - Wirbelwinde wurden, die massenweise Staub und feinen Sand aufwirbelten und nicht selten sogar Häuser abdeckten. Der Ort mit seinen 2000 weißen und 6000 farbigen Einwohnern zeigte teilweise städtischen Charakter und war erstaunlich weitläufig gebaut, wollte doch niemand "den Rauch seines Nachbarn sehen". Im Laufe der Jahre hatte der Regierungssitz Windhoek nicht nur eine Bahnstation erhalten. Nun gab es auch eine Schutztruppenkommandantur, den "Gouvernements"- und Truppengarten, villenartige Häuser, zahlreiche Beamtenwohnungen, eine Anzahl leistungsfähiger Handelshäuser, eine Realschule, ein Postamt, das "Elisabeth-Haus" für Wöchnerinnen aus den Farmgebieten, ein Lazarett, Hotels, ein Ortsviertel der "kleinen Frachtfahrer, Händler und Buren", eine deutsch-evangelische Kirche und einen großen "Ausspannplatz". In dem nahegelegenen breiten, grünen, an Wasser, Gärten und Weinpflanzungen reichen Tal von Klein-Windhoek hatten sich Kleinfarmer angesiedelt, denen Obst- und Gartenbau eine solide Existenzgrundlage boten.
Auch Swakopmund ist eine Gründung des ersten Landeshauptmanns v. Francois. Auf seine Veranlassung markierten Matrosen des deutschen Kriegsschiffes "Falke" 1892 nördlich der Mündung des Swakop mit Hilfe einer Bake jene Uferstelle, an der sich die Brandung als am besten passierbar erwiesen hatte. Die ersten Bauten waren ein Schuppen für Brandungsboote und ein paar wellblechgedeckte Hütten. Auch fünfzehn Jahre später war der Ort alles andere als ein Paradies, "und es gehörte schon eine anständige Portion Lokalpatriotismus dazu, das Leben hier begehrenswert zu finden... Vielleicht liegt (seine) Schönheit im Geldverdienen...". Weit und breit gab es nichts als den vegetationslosen Sand der Namib. Die Trink- und Brauchwasserversorgung erwies sich als nicht so einfach wie ursprünglich erhofft. An Kanalisation war vorerst nicht zu denken, so daß Typhus auch noch nach der Jahrhundertwende heimisch blieb. Auch hatten die Männer der ersten Stunde den starken Mineralgehalt des Grundwassers übersehen, der Neuankömmlingen stets längere Zeit zu schaffen machte.
Die Verwirklichung zweier technischer Planungen während der Jahre 1897 bis 1903 leitete die eigentliche Entwicklung Swakopmunds ein: Der Bau einer Eisenbahn nach Windhoek und die Anlage einer Mole, obwohl sich deren Bau schon bald als Fehlschlag erwies, da sie ihre Aufgabe als Leichteranlegeplatz bereits zwei Jahre später infolge starker Versandung nicht mehr erfüllen konnte. Bis zur Fertigstellung einer von Eisenbahnpionieren errichteten hölzernen Landungsbrücke mußten die anlaufenden Schiffe auf Reede geleichtert werden, wobei sich das Aus- und Einschiffen von Passagieren mit Hilfe von Korbsesseln besonders aufregend gestaltete. Das moderne Swakopmund entstand nach Beendigung des letzten Feldzuges gegen die Eingeborenen. 1906 wurde das erste Bankinstitut, die Deutsche Afrikabank, eröffnet. Drei Jahre später gab es auch hier Warenhäuser, Kneipen, öffentliche Gebäude, Bezirksamt, Post, Gericht, Gefängnis, Hospital. Und Swakopmund begann, "auch an den Diamantenfunden... einen unvermuteten, wenn auch vorläufig noch bescheidenen Anteil zu nehmen". Um 1910 wurde die Stadt von 1500 Weißen und einigen tausend Farbigen bevölkert. Anders als in Windhoek und den meisten übrigen Orten des Landes wohnten die Eingeborenen nicht auf besonderen Werften, sondern ebenfalls in der Stadt. Und jedermann hoffte, ein erleichterter Verkehr mit dem Innern und mit Windhoek werde das Leben erträglicher gestalten, gesteigerten wirtschaftlichen Aufschwung und den weiteren Ausbau der Stadt, "namentlich auch in sanitärer Richtung", bringen.
Älteste deutsche Ortschaft in Südwestafrika war Lüderitzbucht, deren Gründung mit dem Beginn der Schutzherrschaft 1884 zusammenfiel. Bis zum Ausbruch des Hottentottenaufstands 1904 gab es dort außer einer Zoll- und Regierungsstation kaum Häuser. Während in Deutschland phantasievolle Zeichnungen die Szene der Flaggenhissung in Angra Pequena als buntes Spektakulum mit Palmenstränden, an denen es von Eingeborenen nur so wimmelte, darstellten, lebten in dem vegetationslosen Ort kaum 150 Schwarze und 10 Weiße. Der Grund: Wassermangel. Damals kostete ein Kubikmeter Wasser 20 - 30 Mark. Immerhin hatte Lüderitzbucht gegenüber Swakopmund mit seiner offenen Reede den Vorzug eines natürlichen Hafens, der, wenn auch nicht ganz einfach, durch eine zweieinhalb Kilometer breite Einfahrt angelaufen werden konnte. Daß alle Felseninseln, die den eigentlichen Hafen bildeten, bereits vor der deutschen Inbesitznahme der Bucht englisches Gebiet waren, hat nie ernstlich gestört.
Der Hottentottenaufstand erforderte größere Maßnahmen zur Sicherung des wachsenden Truppen-, Proviant- und Materialnachschubs über Lüderitzbucht und den südlichen Baiweg ins Landesinnere. So entstand, wenn zunächst auch nur provisorisch, eine Vielzahl neuer Anlagen. In diese Zeit fiel der Beginn des Baus der Südbahn nach Keetmanshoop und Kalkfontein. Mit der Entdeckung von Diamanten nahm Lüderitzbucht einen raschen Aufschwung. In nur zwei Jahren wuchs an den vegetationslosen Felsenhängen rund um die Bucht eine ansehliche junge Stadt empor, die jedoch immer unter mangelnder Wasserversorgung litt, so daß Typhus und Ruhr zum Alltag gehörten. Noch war das Projekt des Baus einer Wasserleitung von den 35 km nördlich gelegenen Anichabquellen nicht in Angriff genommen worden. Die 1904 mit Ausbruch der Kämpfe nach Lüderitzbucht geströmten Abenteurer und Glücksritter, die von dem "goldenen Segen" profitieren wollten, waren wieder abgezogen, zumal auch "die Organisation des Diamantenabbaus und Diamantenhandels nur wenig Aussicht auf mühelose Erwerbung von Reichtümern" bot. Um 1910 belief sich die Bevölkerung der Hafenstadt auf 1400 Köpfe, unter ihnen 1200 Deutsche. Zu den etwas verloren wirkenden Gebäuden gehörten neben Bezirks- und Postamt das schlichte Kapp’sche Hotel und das Geschäftshaus der Woermann-Linie. Während die drei südwestafrikanischen "Großstädte" - Windhoek, Swakopmund und Lüderitzbucht - auch äußerlich das Gepräge geschlossener Ortschaften aufwiesen, deren Anlage Planmäßigkeit verriet, waren die meisten anderen Ansiedlungen Farmplätze mit mehr oder weniger verstreut liegenden einzelnen Anwesen - in jeweils verschiedenen Stadien der "Stadtwerdung" begriffen.
Grootfontein, 1884 als Burensiedlung entstanden, wurde 1896 deutsche Militärstation, erhielt 1902 eine Regierungsschule und 1908 Anschluß an die Otavibahn. Auf einem Areal von 600000 ha gab es etwa 120 Farmen, vorwiegend von Deutschen betrieben, mit insgesamt 10000 Rindern, ebenso vielen Stück Kleinvieh, 600 Pferden und Maultieren sowie 700 Schweinen "bestockt". Die teilweise recht günstigen Boden- und Bewässerungsverhältnisse erlaubten ausgedehnten Acker- und Gartenbau. Dabei wurde vornehmlich Mais, daneben Tabak, Gemüse, Kartoffeln und Obst geerntet. Was anfänglich in Kauf genommen werden mußte, war die infolge tropischen Klimas nicht selten auftretende Malaria. Erst Entwässerungs- und andere Sanierungsarbeiten schufen Abhilfe. Die nördlichste Station, Namutoni, diente ausschließlich dem Zweck der militärischen Sicherung des Nordens gegen die Ovambos.
Herz der Kolonie, in dem auch die Landeshauptstadt Windhoek lag, war das am engsten besiedelte Damaraland, dessen Farmplätze Okahandja, Omaruru und Karibib, ebenso wie Hauptstadt und Hafenplätze, fast geschlossene Ortschaften mit mehreren hundert Häusern bildeten. Zu ihrer Entwicklung hat viel die Eisenbahn beigetragen. Okahandja, auf die Rheinische Mission zurückgehend und einst Heimat der Hereros, lag inmitten einer fruchtbaren Landschaft mit vorzüglichen Weidegründen. Es hatte sich zu einem Ausgangsplatz für den bedeutenden Tauschhandel mit den Eingeborenen entwickelt. 430 der 475 hier lebenden Weißen waren Deutsche, unter ihnen 70 selbständige Farmer mit in die Zehntausende gehenden Viehbeständen.
Noch größere Bedeutung hatte Omaruru, eine der ältesten Siedlungen des Landes, nordöstlich des Erongogebirges gelegen und ehemals Sitz eines Bergdamarastammes, 1894 Militärstation geworden, 1904 während des Hereroaufstandes von Hauptmann Franke nach verlustreichen Gefechten entsetzt. Auch hier bildeten Deutsche die Mehrzahl der insgesamt 760 weißen Einwohner. 120 selbständige Farmer verfügten über einen beträchtlichen Bestand an Rind- und Kleinvieh, Pferden und Schweinen.
Am Südfuß des Erongogebirges hatte die Staatsbahn zur Entstehung des Bezirks Karibib geführt. Der Ort selbst war während des Aufstandes, obwohl wichtiger Depotplatz, von den Kämpfen verschont geblieben. Verwaltungs- und Eisenbahnbeamte, Gewerbetreibende und Kaufleute stellten den größten Teil der 1000 Einwohner (900 Deutsche). Den Namen des freundlichen Städtchens hatten teils mehrere Musterbetriebe, teils die bei Karibib und bei Kubas entdeckten wertvollen Marmorlager bekanntgemacht.
Südlich von Karibib lag am Swakop-Rivier, umgeben von hohen Bergketten, die einstige Missionsgründung Otjimbingwe, Handelsplatz und wichtige Durchgangsstation in Richtung südliches Damaraland. Die Verlegung der Landesverwaltung nach Windhoek und erst recht die Umgehung des Platzes durch die Eisenbahn ließen die einstige "Hauptstadt der Kolonie" zur "entthronten Königin" werden. Östlichste Siedlung, im trockenen Grenzgebiet der Kalahari gelegen und deshalb nur dünn bevölkert, war Gobabis mit seinen 85 selbständigen Farmern (insgesamt 300 weiße Einwohner). Die Mehrzahl der im nördlichen und mittleren Groß-Namaland gelegenen Hauptplätze ging, wie die biblischen Namen erkennen ließen, auf Missionsgründungen zurück. Klein und bescheiden Gibeon, dessen Einwohner (500 Deutsche, 300 Buren) auf die Fertigstellung der Nord-Südbahn warteten, von der sie sich ein neues Leben versprachen. In diesem Bezirk dominierte die Kleinviehzucht: 9000 Woll-, fast 40000 Fleischschafe, 35000 Ziegen, aber nur wenig mehr als 7000 Stück Rindvieh. Im mittleren Groß-Namaland hatten Rehoboth, eine Bastardsiedlung, und die weiter südlich gelegene Maltahöhe dank der Wollschafzucht eine gewisse Bedeutung. Auf die insgesamt 25 Farmen verteilten sich 150 Weiße. Wirtschaftlicher Mittelpunkt des südöstlichen Teils der Kolonie war nach dem letzten Aufstand Keetmanshoop geworden, das seinen Namen einem früheren Präsidenten der Rheinischen Mission, Keetman, verdankte. Im Laufe der Jahre war der Ort wichtiger Handelsplatz geworden, insbesondere für den von englischer Seite aus betriebenen schwunghaften (und einträglichen) Waffenschmuggel. Dieser hatte die Deutschen 1894 zur Anlage einer Station veranlaßt. 1910 wohnten im Bezirk Keetmanshoop etwa 1700 Weiße: 1180 Deutsche, 450 Engländer und Buren. Hier hatte der Kommandeur des Südbezirks seinen Sitz, es gab ein Bezirksamt, ein Bezirksgericht, eine Regierungsschule und ein "Heimathaus für junge Mädchen", von dem aus die Kolonie mit weiblichen "Hilfskräften für den Haushalt" versorgt wurde. Mehrere große und zahlreiche kleinere Warenhäuser und Geschäfte florierten, die Wasserversorgung war gesichert, alle Vorzüge eines Einkaufszentrums für die im Osten und Süden angrenzenden Gebiete waren gegeben.
In Bethanien und Warmbad bereitete "die Lage des Deutschtums" gewisse Sorgen: von den 500 weißen Bewohnern waren 400 "Kolonialengländer", also zumeist Buren. Ein Wandel sollte von dem mit der Selbstverwaltung eingebrachten "bewußt deutschen Staatsleben" ausgehen. Dementsprechend war das Schulwesen auf der Grundlage der deutschen Volksschule aufgebaut und überwiegend in die Hände der Regierung gelegt worden. Der ersten in Windhoek errichtete Schule für Weiße (1894) folgten weitere Schulen, so die Realschulen in Windhoek und Swakopmund und die Volksschulen in Okahandja, Omaruru, Karibib, Grootfontein, Gibeon, Lüderitzbucht, Keetmanshoop und Warmbad, deren Besuch kostenlos war. Die Schülerzahl betrug (um 1908) 181 Knaben und 196 Mädchen, insgesamt 377 Kinder, von denen 31 katholischer, 21 jüdischer, die übrigen evangelischer Konfession waren. Außerhalb geschlossenen Ansiedlungen gründeten Farmergemeinschaften "Farmschulen" mit angestellten Privatlehrern.
Die medizinische Versorgung des Schutzgebietes hielt sich auch noch nach der Jahrhundertwende in bescheidenen Grenzen. In Swakopmund hatte die erst seit 1896 in Südwestafrika tätige katholische Missionsgesellschaft der "Oblaten der heiligen und unbefleckten Jungfrau Maria" ein Krankenhaus errichtet. In Windhoek gab es außer dem Wöchnerinnenheim ein Lazarett, ein weiteres befand sich auf der Haifischinsel. Insgesamt praktizierten im Schutzgebiet um 1911 nicht mehr als 15 Ärzte, eine im Hinblick auf die Landesgröße verschwindend geringe Zahl.
Die Rechtspflege innerhalb des Schutzgebietes stützte sich, soweit es um die weiße Bevölkerung ging, auf das Bürgerliche Gesetzbuch und das Deutsche Straf- und Prozeßrecht, "modifiziert durch eine Reihe von Verordnungen, die den Bedürfnissen und Notwendigkeiten südafrikanischen Lebens Rechnung" trugen. In Windhoek, Swakopmund, Lüderitzbucht, Keetmanshoop und Omaruru waren Bezirksrichter, gegebenenfalls von zwei bis vier Beisitzern unterstützt, tätig. Ein in Windhoek sitzendes Obergericht übte die Funktion einer oberen Instanz und Dienstaufsichtsbehörde aus.
Die zwölf im Schutzgebiet niedergelassenen Rechtsanwälte und der einzige Notar hatten offenbar über Arbeitsmangel nicht zu klagen: 1907 waren in der Kolonie nicht weniger als 22750 Gerichtssachen anhängig. Die Eingeborenenrechtspflege mußte zwangsläufig im Zeichen unterschiedlicher Rechtsauffassungen stehen. Im allgemeinen wurden "die kleineren Sachen der Eingeborenen unter sich den eingeborenen Behörden zur Entscheidung überlassen, natürlich, wo wir schon die nötige Macht besitzen, unter Kontrolle der deutschen Behörden..." Altes Stammesrecht fand Berücksichtigung, "soweit wir es eben schon kennen".
Der Arzt Dr. Sanders berichtete 1906, die "Stammesgenossen" hätten zumeist den Urteilsspruch eines weißen Richters dem eines eingeborenen Beamten vorgezogen. Einmal im Hinblick auf die angeblich "größere Gerechtigkeit der Weißen", zum anderen, weil die von Weißen gefällten Urteile stets milder ausgefallen seien. Das hätten Beispiele wie die von manchen Stämmen für bloßen Diebstahl verhängte Todesstrafe belegt. Als folgenschwer dagegen sollten sich die aus deutschem Rechtsempfinden korrekten, in den Augen der meisten Eingeborenen jedoch unrechtmäßigen "Landerwerbungen" erweisen.
Nach der Zerschlagung ihres staatlichen Verbandes und ihres Besitztums war von den Hereros "nicht mehr viel mehr als nacktes Menschenmaterial" übriggeblieben. Und da ihnen "gegen alle Arbeit, die nicht in glänzenden Rindern und gefüllten Kalebassen ihren Lohn findet" aus der Zeit ihres freien Hirtenlebens nicht nur Unlust, sondern "tiefe Verachtung innewohnte", war es einzig "bitterste Not", die sie in den Dienst der Weißen trieb. "Jetzt", so schrieb Meyer in seinen Betrachtungen über "Das Verhältnis der weißen Kultur zur eingeborenen Bevölkerung", "gilt es vor allem, sie kräftig, gesund und in genügender Zahl als willige Arbeiter zu halten". Deshalb müsse man sie "in Lokationen sammeln", den Angesehenen unter ihnen kleine "Magistratsbefugnisse" übertragen, um das Vertrauen in den Lohn geregelter Arbeit zu wecken. In diese Richtung zielten die Lindequist’schen Verordnungen vom August 1908, in denen sowohl Dienst- und Arbeitsverträge mit Eingeborenen als auch Paßpflicht und Kontrollmaßregeln festgelegt waren.

Geologisch-morphologischer Hintergrund

Über unzählbare Zeitalter hinweg haben eine Kombination von Feuer, Eis, extremen Temperaturen, Wind und Regen eine der faszinierendsten Landschaften der Welt geformt. Der überwältigende Fischflußcanyon im Süden des Landes, Mondlandschaften, himmelwärts ragende Felsformationen, Tafel- und vereinzelt aus der Landschaft herausragende Inselberge - alle weisen sie auf diese gigantischen Kräfte zurück.
Die Geologie Namibias ist für den Mitteleuropäer deshalb so faszinierend, weil der größte Teil des Landes aus der ältesten Zeit, dem Präkambrium stammt, also älter als 590 Mio. Jahre ist. In Mitteleuropa tritt dieses kaum an der Oberfläche auf. Namibia ist Teil eines sehr alten stabilen Blocks der Erdkruste, des "afrikanischen Sockels". Bedingt durch die meist spärliche Vegetation, liegen die präkambrischen Gesteine dieses Sockels an manchen Stellen wie ein offenes Geologiebuch zutage - atemberaubende Landschaftsbilder auch für den nicht geologisch vorgebildeten Reisenden. Junge Schichten sind zwar auch in Namibia weitflächig vorhanden (tertiäre und quartäre Sande in der südlichen Namib und im Kalaharibecken), sind jedoch nicht sehr mächtig und so wenig reliefbestimmend, daß sie in der geologischen Nomenklatur des südlichen Afrika, ab unserer Kreidezeit, einfach als Post-Karru-Schichten zusammengefaßt werden.
Die ältesten Gesteine Namibias sind 2,1 Mrd. Jahre alt. Es sind metamorphe Gesteine des Vaalium, die im Kaokoveld, in einem großen Dreieck etwa zwischen Outjo, Kamanjab und Khorixas, sowie am Oranje anstehen. Vor 1,8 - 2 Mrd. Jahren sind am Kunene Tiefengesteine (Anorthosite) in sie emporgedrungen; die Epupafälle markieren diesen Gesteinskomplex. Im Fischflußcanyon kann man förmlich bis in die Erdfrühzeit hineinsehen - die untersten angeschnittenen Schichten sind über 1 Mrd. Jahre alt.
Im weiteren Verlauf des Jungpräkambriums (hier: Namibium) formten sich Becken, in denen sich zunächst Schichten von Sedimenten ablagerten. Es wurden die Meeresablagerungen der Damara-Serie gebildet; sie bauen den größten Teil des Hochlands und die nördliche Namib auf: Nosib-Quarzite, Otavi-Kalke und -Dolomite, Swakop-Schiefer und Mulden-Quarzite. In ihnen finden sich die bedeutendsten Bodenschätze des Landes, u.a. der Blei - Kupfer - Zink - Erzkörper von Tsumeb und die Uranlagerstätte Rössing. In ihnen hat man aber auch die ältesten Zeugnisse vielzelligen Lebens auf der Erde gefunden: die Ediacara-Organismen, die vor etwa 600 Mio. Jahren im Flachmeer lebten.
In der Post-Damara-Zeit (Kambrium) wurden im Zuge von gebirgsbildenden Vorgängen, deren Höhepunkt vor etwa 530 Mio. Jahren war, die Damara-Schichten gefaltet. Dabei bildeten sich Ganggesteine (Pegmatite), in denen sich seltene Mineralien (mit Zinn und Lithium) anreichern konnten. An zahlreichen Stellen stieg granitisches Magma aus dem Erdinnern empor (Salem-Granite). Im südlichen Landesteil lagerten sich im Flachmeer Sande und Kalke (Nama-Schichten) ab, in denen sich später, infolge der unterschiedlichen Härte der Gesteine, durch die Abtragung eine Schichtstufenlandschaft mit den Landstufen Weißrand und Schwarzrand entwickelt hat.
Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wälzten sich Eisschichten über die gebirgige Gegend südlich von Rehoboth - dabei entstanden Ebenen, die später überflutet wurden. Es bildete sich ein weites, flaches Meer. Die meisten Berge im mittleren und nördlichen Landesteil, die in der Damaraepoche entstanden, verwitterten bis fast auf den Meeresspiegel, so daß nur das Hochland um Windhoek und Otavi blieb.
Vor 280 Mio. Jahren gab es eine weitere Eiszeit, die den gesamten Subkontinent mit Eisschichten und Gletschern bedeckte. Diese Kälteperiode dauerte fast 60 Mio. Jahre. In der darauffolgenden Eisschmelze entstanden Sümpfe und Süßwasserseen, an deren schilfbewachsenen Ufern sich Dinosaurier aufhielten. Dann setzte eine Dürre ein, und bald erstickten Sumpf und See unter Schichten von heranwehendem Sand.
In den letzten Stadien des Karru-Erdzeitalters, vor 190 Mio. Jahren, wurde die Erdkruste wieder instabil, und nochmals drangen Ströme von Lava an die Oberfläche. Obwohl die Vulkane längst erloschen sind, zeugt der Granit, der in das Vulkangestein eindrang, noch von dieser Zeit.
Die jüngsten Intrusionen fanden vor 80 Mio. Jahren statt und formten den Brukkaros-Krater im Süden des Landes. Seitdem wurde die Küste mehrmals gehoben und gesenkt, wobei die Verwitterung der Urlandschaft Namibias unaufhaltsam weiterging.
Bis in die darauf folgende Karruzeit, die vor 160 Mio. Jahren endete, war das südliche Afrika Teil von Gondwana, einem riesigen Urkontinent, der auch Südamerika, Vorderindien, Australien und einen Teil der Antarktis umfaßte. Die Spuren der Permo-Karbonischen Vereisung vor etwa 200 Mio. Jahren, die sich in Namibia finden, Tillite (alte Moränen) und Gletscherschliffe haben ihre unmittelbare Fortsetzung im brasilianischen Bergland und beweisen damit diesen ehemaligen Zusammenhang der Kontinente. Gegen Ende der Karruzeit begannen Afrika und Südamerika auseinanderzudriften, wodurch die Bildung des Südatlantik einsetzte. Folge dieser tektonischen Unruhe waren eine vulkanische Tätigkeit (Basalte) und die Bildung von meist ringförmigen Intrusionen (Ringintrusionen wie z.B. Brandberg, Messumberge, Erongo). Aber auch Sedimentschichten bildeten sich in dieser Zeit, bedeckten weite Teile des mittleren Namibia und wurden später wieder abgetragen; ein Rest davon ist z.B. der Waterberg. An anderer Stelle sind in diesen Schichten Dinosaurierspuren erhalten. Danach blieb das Gebiet bis heute praktisch Festland.
Die durch Wind und Wasser in Jahrmillionen erfolgten Abtragungen aus dem zentralen Hochland und von den Bergländern der Randschwelle haben unter Mitwirkung der an der Atlantikküste vorherrschenden Süd- und Südwestwinde in der Namib-Wüste Dünen entstehen lassen, die zu den ältesten und höchsten der Erde gerechnet werden. Der Verwitterung widerstanden nur die härtesten Gesteinsformationen; Beispiele dafür sind die beim Auseinanderbrechen des Gondwana-Kontinents durch vulkanische Aktivitäten gebildeten Granitkomplexe. Schwarze Diabas- und Granitkuppen ragen heute als einzelne Inselberge oder komplette Inselbergmassive aus der Ebene empor. Besonders eindrucksvolle Inselberge, die auch als Zeugenberge bezeichnet werden, sind die Spitzkoppe, der Brandberg, das Erongo-Gebirge und die Blutkuppe. Neben den Abtragungskräften von Wind und Wasser spielen auch die hohen Temperaturunterschiede von 60°C und mehr, die Gesteine bersten lassen, bei der Erosion eine wichtige Rolle. Diese als Insolationsverwitterung bezeichnete Erosionsart ist sogar akustisch wahrnehmbar.
Im Gegensatz zu heute gab es in der geologischen Vergangenheit Namibias Zeiträume mit sehr starken Niederschlägen, die Pluvialzeiten. Durch die gewaltigen Auswaschungen der Fließgewässer sind Schluchten und Canyons entstanden. Von den unterschiedlichen Wasserständen der Flüsse (Riviere) zeugen heute in diesen Trockentälern die sogenannten Flußterrassen. Besonders eindrucksvolle sind am Ugab zu besichtigen. Auch die Schluchten des Kuiseb und des schwer zugänglichen Hoarusib, sowie der Fischflußcanyon, der größte Canyon Afrikas, sind erstklassige geologische Sehenswürdigkeiten.
Erst in jüngerer geologischer Zeit haben sich die namibischen Diamantenlagerstätten in einem Küstenstreifen gebildet, der sich von der Oranje-Mündung weit nach Norden erstreckt. Es handelt sich um sekundäre Lagerstätten (Seifen). Die Diamanten stammen wahrscheinlich aus den kimberlitischen Pipes von Lesotho, Botswana und dem mittleren Südafrika. Vor mehreren Mio. Jahren wurden sie durch Erosion freigelegt und durch Flüsse im Einzugsbereich des Oranje aufgenommen. An der Mündung des Oranje lagerten sie sich ab und wurden unter dem Einfluß von Wind und Meeresströmungen an der Küste nordwärts verteilt. Die härteren Diamanten, vor allem Schmuckdiamanten, setzten sich in den Vertiefungen, Strudellöchern und Spalten des felsigen Untergrunds (kambrische Schiefer) fest. Die übrigen finden sich in den Strandterrassen, die durch die Schwankungen des Meeresspiegels im quartären Eiszeitalter (Pleistozän) entstanden sind - bis zu 25 m ü. M. und bis 3 km ins Landesinnere reichend - später wurden sie von Sanddünen zugedeckt. Andere Diamantenfelder liegen heute unter dem Meeresspiegel
Die Entstehung der Diamanten selber spielt sich in 150 - 300 km Tiefe ab, also weit unter der Erdkruste im oberen Erdmantel, der Asthenosphäre. Im bis zu 1500°C heißen Magma und unter hohem Druck entstehen sie dort aus reinem Kohlenstoff. Bei den ständigen Umwälzungen im Erdmantel gelangen diamantführende Magmen in die Erdkruste und werden durch vulkanische Schlote an die Erdoberfläche befördert. In Südafrika gibt es Hunderte solcher diamantführender Vulkanschlote (Pipes).


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