Das Deutsche Reich

1884 erklärte das Deutsche Reich seine Schutzherrschaft. Nachdem 1884/85 auf der Kongo-Konferenz in Berlin die europäischen Mächte Afrika in Einflußzonen aufgeteilt hatten, wurde 1885 die Deutsche Colonial-Gesellschaft Südwestafrika gegründet, die den Lüderitzschen Besitz erwarb. Zur gleichen Zeit wurden weitere "Schutzverträge" mit Nama- und Herero-Häuptlingen sowie den Rehobother Bastern abgeschlossen. Der einzige, der solche Verträge ablehnte, war der Nama-Häuptling Hendrik Witbooi.
Am 28. Oktober 1884 wurde zwischen dem Deutschen Reich und Josef Fredericks der erste Schutz- und Freundschaftsvertrag geschlossen, dessen Artikel I. die "Bitte" des Herrschers von Bethanien enthielt, der Deutsche Kaiser möge über das von Fredericks beherrschte Gebiet die Schutzherrschaft übernehmen. Des weiteren wurde vertraglich festgelegt, daß Fredericks ohne Zustimmung des Deutschen Reiches weder Land an andere Nationen abtreten noch Verträge mit fremden Regierungen schließen dürfe. Das Reich verpflichtete sich, "früher abgeschlossene und zu Recht bestehende Handelsverträge und Kontrakte zu respektieren". Obwohl der Schutzvertrag vom Tage der Unterzeichnung in Kraft treten sollte, behielt sich das Reich einseitig ein Rücktrittsrecht vor, falls "die Ratifikation seitens der deutschen Regierung innerhalb von 18 Monaten... nicht erfolgt sein sollte".
Unterzeichnet wurde das Dokument deutscherseits von dem in Tunis stationierten Kaiserlichen Generalkonsul und "Kommissär für die Westküste von Afrika", Dr. med. Gustav Nachtigal, ferner von Graf Spee, einem Marineoffizier, und Heinrich Vogelsang. Als Dolmetscher unterschrieben I.H. Bam und Christian Goliath. Für die bethanische Seite setzten Josef Fredericks und seine "Ratsherren" Adam Lambert, Ruben Fredericks, Klaas Saul und Daniel Fredericks in Form von Kreuzen ihre "Handzeichen" unter den Vertrag.
Inzwischen hatten sich in der Kolonie "ganz verwickelte Rechtsverhältnisse" ergeben. Zu deren Untersuchung wurde der Landgerichtsrat Dr. H.E. Goering (der Vater des späteren NS-Reichsmarschalls Göring) als Reichskommissar nach Südwest geschickt. Seine Reise in das Landesinnere führte zunächst zu Zacharias von Otjimbingwe. Dies war einer der mächtigsten Stammesfürsten im Damaraland, dessen Wohlwollen mit mehreren Flaschen "Eau de Brême", einem als Parfüm getarnten Weinbrand, nicht schwer zu erringen war. (Dieses angebliche Parfüm hatte Lüderitz der Missionare wegen erfunden, die jede Alkoholeinfuhr unterbunden wissen wollten.) Im Oktober konnte Goering mit dem Oberhäuptling der Hereros, Maherero Katjamuaha, einen Schutz- und Freundschaftsvertrag abschließen, dem sich wenig später der mächtige Häuptling Manasse-Tjiseseta in Omaruru anschloß.
In einem an Bismarck gesandten Bericht über Land und Leute nahm der Reichskommissar ausführlich zum Thema Handel Stellung. Er betonte, daß "nur gute Sachen,... nur Waren von Prima-Qualität, gesucht und von Hereros wie Hottentotten teuer bezahlt werden...". Den Irrtum, für die Eingeborenen sei alles gut genug, habe die Firma Lüderitz schwer büßen müssen. Die besitzende Klasse des verhältnismäßig reichen Hererovolkes sei schon seit Jahren mit den besten Gewehren neuester Konstruktion vertraut. Als "gangbarste Handelsartikel" nannte Goering neben Waffen und Munition, Sattel- und Zaumzeug. Außerdem waren Männerkleidung, Kleiderstoffe, Kopftücher, Schuhwerk, Küchengeschirr, dazu Nahrungs- und Genußmittel wie Reis, Mehl, Kaffee, Tee und Tabak begehrte Waren. Goering betonte, daß "die reicheren Leute auch anfangen, mehr Luxusartikel, Möbel, Spiegel, Lampen usw. zu konsumieren. Alle diese Sachen werden mit Vieh so hoch bezahlt, daß ein schwerer Schlachtochse etwa 22 - 40 Mark, ein Schaf 5 Mark und eine Ziege etwa 3 Mark den Händler kosten würde". Das Bild von der Lebenshaltung der Eingeborenen vermittelte immerhin die Erkenntnis, daß man es nicht mit Kindern zu tun hatte, die sich an Glasperlen und ähnlichem Tand erfreuten, sondern "gediegene Sachen verlangten... und Bedürfnisse hatten".
Goering bereiste noch einmal das gesamte südwestafrikanische Kolonialgebiet. Dabei konnte er in Warmbad ohne Schwierigkeiten mit Bondelzwarts und Veldschoendragern Schutzverträge schließen, wogegen sich der aus Kapstadt finanziell unterstützte Kapitän William Christian diesen Schritt erst nach längerem Widerstand anschloß. 1886 riefen ihn die Buren zu Hilfe, die im Gebiet des Ortes Grootfontein mit etwa 20 Familien eine Republik Upingtonia gegründet hatten. Sie waren, nicht ohne Grund, 1884 von den Portugiesen aus deren Kolonie Mossamedes über den Kunene nach Süden abgeschoben worden. Die heimtückische Ermordung ihres Führers Jordan veranlaßte sie, "den Schutz des deutschen Reichskommissars Goering einzuholen". Mit dieser Burensiedlung wurde dem deutschen Schutzgebiet "ein wertvoller Teil Südwestafrikas einverleibt".
1886 wurde mit Portugal die Nordgrenze festgelegt. Die nördlichen Gebiete und ihre Bewohner standen jedoch faktisch in keiner Beziehung zur deutschen Kolonialherrschaft. Diese beschränkte sich weitgehend auf den Lebensraum der Herero und Nama.
Ein - nach den meisten Quellen - vermutlich von Cecil Rhodes gegen Goering ins Werk gesetzter Intrigenfeldzug veranlaßte diesen schließlich, seinen Amtssitz in Otjimbingwe zu räumen. Dies trug ihm seitens der Kolonialgesellschaft den Vorwurf ein, er habe deren Interessen "preisgegeben". Goering reichte seinen Abschied ein und wurde später Ministerresident in Domingo/Haiti. Sein Nachfolger war Hauptmann von Francois.
Mit dem Bismarck’schen Telegramm vom 24. April 1884 hatte "die alte treue Mutter Deutschland... Südwestafrika an Kindesstatt" angenommen. Doch "das angenommene Kind war unmündig und unerfahren und mußte von seiner Mutter erst auf die Beine gestellt werden". Und so sollte sich der Ritt in eine hoffnungsvolle Zukunft als schwierig erweisen. Das junge Schutzgebiet umfaßte schon bald eine Größe von 835000 km², mehr als das Anderthalbfache des (damaligen) Deutschen Reiches. Die Schätzungen der Eingeborenenzahl schwankten zwischen 200000 und 300000, während die weiße Bevölkerung kaum mehr als 500 Köpfe umfaßte. Die dünne Besiedlung des Gebietes war nur einer der Faktoren, die dazu beitrugen, daß sich die hochgesteckten kolonialen Erwartungen nur sehr langsam und zudem unvollkommen erfüllten.
In der gesetzgebenden Körperschaft zu Berlin herrschte die Anschauung vor, Kolonien hätten nur dann einen Sinn, wenn sie etwas einbrächten. Sie sollten Warenabsatz- und Rohstoffbezugsgebiete sein und nicht etwa erst dazu gemacht werden müssen. Keineswegs durften sie Geldausgaben erfordern. So wichen denn die Begeisterung und der Optimismus, auf deren Wogen die ungeduldigen Anhänger einer weltweiten deutschen Kolonialpolitik schwammen, nach dem Erwerb Südwestafrikas schon bald der ersten Ernüchterung. "Wir kamen in unterentwickelte Gebiete, die von vornherein ihrer Entwicklung große Schwierigkeiten entgegenstellten, und zwar als Neulinge, denen jede eigene Erfahrung fehlte...". Obwohl die in englischen Besitzungen beobachtete Kolonialpolitik als unerreichtes Vorbild galt, setzte sich "die deutsche Art und Lebensanschauung... unserer Beamten (und Offiziere)" durch. Diese Art war vorwiegend preußischer Prägung und führte zu "Mißverständnissen". Hinzu kam die Unfähigkeit der meisten aus Deutschland Kommenden, im "Wildlande" wirklich auf eigenen Füßen zu stehen. Noch bevor die eigentliche Problematik der deutschen "Kolonisation" - nämlich die alles andere als uneingeschränkte Bereitschaft der Eingeborenen, sich "kolonisieren" zu lassen - deutlich wurde, ergaben sich Schwierigkeiten, die wir nach heutigem Sprachgebrauch den Bereichen Infrastruktur und Logistik zuordnen würden.
An der gesamten Küste des jungen Schutzgebietes, die rund 1500 km lang war, gab es nur zwei Häfen. Dies waren die in Küstenmitte gelegene Walfischbai und, 300 km weiter südlich, die "kleine Bucht" Angra Pequena, später Lüderitzbucht genannt. Walfischbai, der einzige Naturhafen Südwestafrikas, war seit den 1850er Jahren englischer Besitz. Die Briten hatten ihn zum Freihafen erklärt und kontrollierten den gesamten, damals noch bescheidenen Überseehandel, wobei sie den kolonialen Start des Deutschen Reiches nicht ohne Mißtrauen verfolgten. Die Lüderitzbucht sollte deutsche Handelsschiffe von der Walfischbai unabhängig machen. Das gelang zwar, erwies sich jedoch zunächst als recht umständlich. Die an Klippen und Untiefen reiche Felsbucht war äußerst schwierig anzusteuern. Ihre Wassertiefe war für größere Fahrzeuge zu gering, so daß die Schiffe hinter der vorgelagerten (bei Ebbe mit dem Festland verbundenen) Haifischinsel, etwa drei Seemeilen vorn Land, vor Anker gehen mußten. Dann wurden sie unter schwierigen Bedingungen geleichtert.
Ein weiterer Nachteil war der empfindliche Mangel an Trinkwasser. Er wurde zunächst durch entsprechende Versorgung von See her, später mit Hilfe von "Kondensierungsapparaten" ausgeglichen. Alles deutete auf eine unvermeidliche Abhängigkeit von der Walfischbai hin, mit der die Engländer "den Schlüssel zum fremden Hause" besaßen. Da machten 1891 deutsche Kriegsschiffe weiter nördlich, vor der Mündung des Swakop (hottentottisch: Tsoachaub), eine geeignetere Landungsstelle aus. Sie war zwar vorerst noch eine offene Reede, doch versprach die Anlage einer Landungsbrücke, diesen Nachteil wettzumachen. Im Gegensatz zur Walfischbai, in deren Umgebung es weder Trinkwasser noch Weideland gab, bot sich in der Nähe von Swakopmund beides. Das waren zwei unschätzbare Vorteile. Es brauchte doch jeder der mächtigen Ochsenwagen, die dem zeitaufwendigen An- und Abtransport von Waren dienten, 14 - 20 Zugtiere. Hinzu kam, daß "Tsoachaubmund" dank seiner erhöhten Lage nie in Gefahr war, überschwemmt zu werden - im Gegensatz zur flachen Uferlandschaft der Walfischbai.
So konnte Swakopmund allmählich einen großen Teil des Umschlags von Walfischbai an sich ziehen. Das führte dazu, daß die Engländer vorübergehend bereit waren, ihren Hafen für die bescheidene Summe von 600000 Mark abzutreten. Als jedoch zur gleichen Zeit das Gerücht von Goldfunden auftauchte, zogen sie dieses Angebot zurück und erklärten sich statt dessen bereit, eine Eisenbahn ins Landesinnere zu bauen. Dieser "sehr durchsichtige Vorschlag, der im Falle des Gelingens den Überseehandel Deutschsüdwestafrikas noch fester ans englische Gebiet gekettet hätte, fand indes kein Gehör...".

Die Schutztruppe

1887 hatte Goering, der Vertreter des Reiches in Südwest, in Berlin über die ersten (unbedeutenden) Goldfunde der Deutschen Kolonialgesellschaft und des mit ihr zusammenarbeitenden Australia Prospecting Syndicate berichtet. Damit hatte er erreicht, daß dem deutschen Unternehmen zur Sicherung künftiger Minenausbauten die Aufstellung einer Schutztruppe zur Pflicht gemacht wurde. Es war dies eine von der Kolonialgesellschaft unterhaltene "Gesellschaftstruppe", die mit einer Stärke von zwei Offizieren und fünf Unteroffizieren begann. Sie wurde, durch 20 Bastards und Namas verstärkt, in Otjimbingwe stationiert, wo seit 1865 auch die Rheinische Missionsgesellschaft tätig war.
Die Truppe vermochte jedoch weder den einträglichen Waffen-, Munitions- und Alkoholhandel des Kapengländers Lewis mit den Eingeborenen zu überwachen, noch die zum Schutze des Bergbaus erlassenen Verordnungen durchzusetzen. Ihre Hilflosigkeit ging so weit, daß Reichskommissar Goering noch in demselben Jahr gezwungen wurde, sich mit seinen Männern und den Angestellten der Kolonialgesellschaft nach Walfischbai zurückzuziehen. Grund dafür war die immer offener zutage tretende feindselige Haltung der Hereros - nach übereinstimmenden Berichten zahlreicher zeitgenössischer Autoren eine Folge Lewis’scher "Hetze". Daraufhin wurde die Truppe aufgelöst. Nach Otjimbingwe zurückzukehren, wäre ohne jeden Schutz nicht möglich gewesen.
So wurde in Deutschland 1889 die erste "staatliche Truppe", aus 21 Unteroffizieren und Mannschaften bestehend, angeworben. Sie bildete merkwürdigerweise eine "Privattruppe unter staatlicher Führung", die aufgrund eines Privatvertrages dem Offizier verpflichtet war, der sie angeworben hatte. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß die 21 "Schutztruppler" als angebliche Forschungsreisende auf englischen Schiffen eintrafen und Südwestafrika über die britische Walfischbai betraten.
Ihr Kommandant war Hauptmann von Francois. Eine ausdrückliche Anweisung Bismarcks ging dahin, daß die Truppe "nicht zu kriegerischen Unternehmungen bestimmt" sei. Auch als sie 1890 auf 50 Mann verstärkt worden war, fielen ihr noch keine militärischen Aufgaben zu. Vielmehr hatte der Reichskanzler in seinem Erlaß vom 9. November 1889 den polizeilichen Charakter des Verbandes unmißverständlich definiert. "Zum tätlichen Eingreifen ist die Truppe nur insoweit bestimmt, als es sich um Zuwiderhandlungen gegen unsere Anordnungen und unsere Autorität durch einzelne Individuen handelt. Einzuschreiten ist daher namentlich gegen solche Weiße, welche die Eingeborenen gegen deutsche Behörden und die deutsche Schutzherrschaft aufzuwiegeln versuchen. Sind diese Agitatoren entfernt, so ist damit auch die Grundlage für geordnete Zustände geschaffen."
Noch im Jahre 1890 wurde der inzwischen wieder in Otjimbingwe aufgeschlagene Regierungssitz in das 300 km von der Walfischbai entfernt landeinwärts gelegene, damals noch unbedeutende Windhoek verlegt. Die Truppe wurde in den Überresten der Missionsstation Klein-Windhoek untergebracht, die vor Jahren von den Hereros zerstört worden war. Die einheimische Bevölkerung verfolgte deren Ausbau zu einer "für Eingeborene uneinnehmbaren Festung" mit unverhohlenem Mißtrauen. Aus Klein-Windhoek wurde dann das eigentliche Windhoek. Die spätere Hauptstadt Deutschsüdwestafrikas lag 1625 m hoch inmitten eines wechselvoll gestalteten Berglandes und wurde wegen ihrer Oberflächenbildung und der Wasserverteilung schon bald das Herz des Schutzgebietes genannt. Von hier aus unterhielt die Schutztruppe einen regelmäßigen Patrouillendienst, der sich vornehmlich auf das Hererogebiet erstreckte. Seit Jahren andauernde Stammesfehden - besonders jene zwischen Namas und Hereros, die bis 1892 anhielten - erschwerten die Truppentätigkeit mit ihrem ausschließlich "polizeilichen Charakter". Sie wurden von der Truppe "gemäß Instruktion" mit strikter Neutralität verfolgt.
Trotz geringer Stärke gelang ihr jedoch, was wenige Jahre zuvor der "Gesellschaftstruppe" nicht gelungen war. Sie übte über die Einfuhr von Waffen, Munition und Alkohol eine gewisse Kontrolle aus, die allerdings das Verhältnis der Eingeborenen zu den Deutschen nicht gerade positiv beeinflußte. Dementsprechend scheiterten denn auch alle Versuche des Kommandeurs v. Francois - inzwischen als Nachfolger Goerings zum Reichskommissar ernannt -, den Namakapitän Witbooi zur Einstellung der Feindseligkeiten gegenüber den Hereros zu bewegen. Und noch weniger ließ sich Witbooi für den Abschluß eines Schutzvertrages mit dem Deutschen Reich gewinnen. Schließlich aber gelang es dem Reichskommissar 1892, an dem in Otjimbingwe vollzogenen Friedensschluß zwischen Hereros und Namas mitzuwirken. Dabei hatte er nicht erkannt, welche Folgen die plötzliche Beendigung der jahrelangen Stammesfehden für das Schutzgebiet haben sollte: den ersten massiven Aufstand gegen die ungeliebte deutsche Herrschaft. Die Schlüsselfigur hieß Hendrik Witbooi.

Unruhen und Aufstände

Erstmals war es 1870 dem angesehenen Missionar Hahn gelungen, Namas und Hereros in Okahandja zum Abschluß eines Friedensvertrages zu bewegen und den blutigen Unruhen für die Dauer eines Jahrzehnts ein Ende zu bereiten. Inzwischen war ein anderer Nama-Stamm, die aus Südafrika eingewanderten Witboois, zu Einfluß und Bedeutung gelangt. Nicht wenige der Stammesangehörigen, auch zahlreiche Kapitäne, hatten den christlichen Glauben angenommen. Allen voran Hendrik Witbooi, der als zweiter Sohn eines Häuptlings keine Anwartschaft auf eine führende Stellung hatte und sich ausschließlich um seine Herden kümmerte. Als jedoch 1880 der Kampf zwischen Gelb (Namas) und Schwarz (Hereros) erneut ausbrach, Hendriks älterer Bruder fiel und sein Vater Moses ermordet wurde, "schlug Hendriks Wesen in das Gegenteil um. Er wurde ein grausamer und verwegener Räuber,... für viele Jahre der Schrecken des ganzen Landes...".
Daß es Witbooi gelang, zum anerkannten Oberführer der Namas aufzusteigen, obwohl ihm militärische Erfolge gegen die Hereros versagt blieben, erklärte sich einerseits aus seinem persönlichen Mut, andererseits aus seinem überzeugend zur Schau gestellten religiösen Sendungsbewußtsein, nicht zuletzt aber aus seiner bedingungslosen Ablehnung der deutschen Herrschaft. Mit dem unerwarteten Friedensschluß zwischen Hereros und Namas zu Otjimbingwe 1892 war seine Taktik aufgegangen, beide Stämme "zu einem großen Schlag gegen die Weißen zusammenzubringen". Hauptmann v. Francois entschloß sich daraufhin, "die Waffen entscheiden zu lassen", und stürmte mit seiner auf 250 Mann verstärkten Schutztrupp im April 1893 die Festung Hoornkrans, wohin sich Witbooi mit den ihm nach seiner Niederlage gegen Kamaherero verbliebenen 500 Mann zurückgezogen hatte. Der Sieg wurde teuer erkauft, die Verluste auf deutscher Seite waren schwer, während Witbooi mit dem größten Teil seiner Leute entkommen konnte, um dann überall und nirgends aufzutauchen und teils die Deutschen, teils vereinzelte Karawanen zu überfallen. Als eines Tages ein Witbooi-Trupp sogar bis Windhoek vordrang, sandte das Reich abermals Verstärkung. Mit deren Hilfe schloß der neue Kommandeur, Major Leutwein, den Gegner in der südlich von Hoornkrans gelegenen Naukluft ein, wo sich Hendrik Witbooi am 15. September 1894 ergab und in einem Friedensvertrag nicht nur die deutsche Schutzherrschaft "unbedingt" anerkannte, sondern sich gleichzeitig verpflichtete, "auf den Ruf des Landeshauptmannes gegen alle inneren und äußeren Feinde mit seinen waffenfähigen Männern... Heerfolge zu leisten".
Witbooi, der im Besitz sämtlicher Waffen bleiben durfte, stimmte sogar dem Plan Leutweins zu, in Gibeon eine Garnison zu errichten. Beide Gegner sicherten einander "freundliches entgegenkommendes Verhalten" zu. Tatsächlich folgte nun eine Periode friedlicher Koexistenz. Der inzwischen völlig verarmte Witbooi-Stamm sammelte sich "unter der wohlwollenden Führung der (deutschen) Regierung" und ließ sich, mit Zuchtvieh versorgt, in Gibeon nieder. Die Erschließung Südwestafrikas ging nun mit Riesenschritten voran. Die Zahl der ansässigen Weißen stieg von 539 im Jahr 1891 über 2025 (darunter 1500 Deutsche) im Jahr 1896 auf mehr als 4500 im Jahr 1904, neben Regierungsbeamten und Schutztrupplern vorwiegend Farmer und Händler.
Doch gerade dieses Wachstum sollte unvorhergesehene Folgen haben. Zunächst schien es, als ob "der erste freundliche Sonnenstrahl auf das unter Nöten erworbene Schutzgebiet fallen, als ob die ruhige, günstig fortschreitende Entwicklung keine schweren Störungen mehr erfahren sollte". Windhoek hatte einen "schönen Aufschwung" genommen, 1892 war Swakopmund gegründet worden, die Stammesfehden hatten aufgehört, das Ansehen der deutschen Verwaltung schien gefestigt. Da breitete sich 1897 die große Rinderpest aus und vernichtete in kurzer Zeit nahezu den gesamten Viehbestand der Eingeborenen. Damit versiegte plötzlich die "allein aussichtsvolle Grundlage des weißen Wirtschaftslebens", der Viehhandel mit den Eingeborenen. In den Herden der weißen Siedler hatte die Pest dank frühzeitiger Schutzimpfungen weit weniger gewütet. So wurde nach ihrem Rückgang die Rinderzucht in der Hand des Weißen "notwendig und lohnend zugleich". Notwendig, weil die Versorgung des Binnenlandes mit Proviant ohne Zugvieh lahmgelegt worden wäre, lohnend, weil "mit der Beseitigung des Rinderüberflusses der Eingeborenen die Viehpreise jetzt auf das Drei- bis Vierfache stiegen". Vorübergehend schien es, als sollten die Hereros wieder zu Rinderwohlstand gelangen, hatten doch die Häuptlinge das überlebende Vieh im Lande so geschickt verteilt, daß überall guter Nachwuchs gedieh. Doch dieses Gedeihen stand und fiel mit der Größe des zur Verfügung stehenden Weidelandes.
Daß die Deutschen kamen und Handel trieben, daß sie Minenrechte erwarben und mit dem Bergbau begannen, hätten die Eingeborenen hingenommen. Als sich jedoch immer mehr weiße Farmer niederließen und sich auf Viehzucht verlegten, mußten sie zwangsläufig um Weiden und Wasser fürchten. Gouverneur Leutwein berichtete dem Kolonialamt in Berlin über diese Sorgen der Hereros, so auch von einem Brief von Samuel Maherero an den "Hochwohlgeborenen Kapitän H. Witbooi", in dem sich jene beklagten, daß "die Deutschen um nichts Leute erschießen", und daß aller Gehorsam nichts nütze. Der Brief schloß: "... machen Sie schnell, daß wir Windhoek stürmen, dann haben wir Munition...". Verzweifelte Herero-Großleute wandten sich auch an Leutwein persönlich: "Aber nun, geehrter Herr Gouverneur, wo sollen wir bleiben, wenn unser ganzer Fluß und alles Land uns abgenommen wird? Anbei legen wir ein Verzeichnis aller Werften, welche im Gebiete von Otjituepa bis Omitava liegen. Diese alle tränken ihr Vieh im weißen Nossob. Und so fragen wir nochmals, wo sollen alle diese Leute hin? Wir sehen mit Entsetzen, wie ein Platz nach dem anderen in die Hände der Weißen übergeht, und bitten daher unsern Herrn Gouverneur untertänigst, doch keinen weiteren Verkauf hier im Gebiet des weißen Nossob zu genehmigen und alles Land, welches noch nicht verkauft ist, zu einem großen Hereroreservat zu machen."
Diese Klagen über die Besetzung des Landes und der Wasserstellen waren nur allzu gerechtfertigt. So mußte es zur Auseinandersetzung mit den Hereros kommen, die ihr Land freiwillig nicht aufgeben wollten. "Das Feuer des Aufstandes loderte zuerst im äußersten Süden des Schutzgebietes empor, wo Teile der Bondelzwarts-Hottentotten, eines Namastammes, im Oktober 1903 Warmbad zu belagern begannen, während andere sich in den Karasbergen sammelten." Obwohl beide innerhalb weniger Wochen teils völlig geschlagen, teils versprengt werden konnten, setzte Leutwein zwei Feldkompanien und die Gebirgsbatterie nach Süden in Marsch, während er selbst nach Keetmanshoop aufbrach. Im gesamten nördlichen Gebiet verblieben lediglich eine Feldkompanie und eine kleinere, in Grootfontein stationierte Abteilung.
Am 12. Januar 1904 brach in Okahandja, dem Sitz Samuel Mahereros, der offenbar seit langem geplante Aufstand der Hereros los. Er breitete sich unter der Führung von Samuel Maherero in wenigen Tagen über das gesamte Hererogebiet aus, um schon bald auf das Damaraland überzugreifen. Alle befestigten Plätze wurden eingeschlossen, Bahn- und Telegrafenverbindungen unterbrochen, 123 Weiße, fast ausnahmslos Deutsche, "grausam ermordet". Bemerkenswert, daß die Hereros zwar gefangene deutsche Soldaten "unter viehischen Martern zu Tode brachten", Engländer und Buren sowie Missionare und Frauen dagegen zumeist ungeschoren ließen. Gouverneur Leutwein übertrug die militärische Führung gegen die Hereros dem Hauptmann Franke, der mit seiner Kompanie "in einem beispiellosen Siegeszuge" eingeschlossene Ortschaften befreite und Bahnverbindungen wieder herstellte. Schließlich vollbrachte er mit der Erstürmung des Kaiser-Wilhelm-Berges bei Okahandja "die glänzendste Waffentat des Hererokrieges". Trotz örtlicher Teilerfolge ließen an anderen Stellen schwere, verlustreiche Gefechte "sehr bald die traurige Wahrheit erkennen, daß der Feind nicht nur zahlreich, sondern auch kriegskundig und wohlbewaffnet war". Immer neue Verstärkungen mußten hinzugezogen werden. Schließlich waren "bald über 15000 Mann auf dem Kriegsschauplatz versammelt", von denen allerdings kaum mehr als 3000 an der Front eingesetzt waren.
Das Oberkommando über die relativ bedeutende Truppenmacht war inzwischen von Major Leutwein, dem Gouverneur, auf Generalleutnant v. Trotha übergegangen. Leutwein, unterstützt von anderen höheren Militärs, riet dringend, den Krieg auf dem Vermittlungswege zu beenden. Allerdings zeigte die Oberleitung keinerlei Verständnis für Leutweins Anschauung, daß "die Hereros... genug bestraft" seien und es nun darauf ankäme, dem Schutzgebiet "die überaus wichtige Arbeitskraft dieses Volkes zu erhalten". Trothas Ehrgeiz war, den Widerstand des Gegners "durch einen großen Schlag zu brechen". Nach den Schlachten von Okanjira und Oviumbo vollzog sich im August 1904 am Waterberg "das große Drama... das den Untergang einer Nation bedeutete". Nach einer mörderischen zweitägigen Schlacht zogen sich die Hereros, auf einem Raum von etwa 40 km im Umkreis zusammengedrängt und von vier Seiten angegriffen, in Richtung Osten zurück - vor sich sie wasserarme Omaheke, das große, fast unerforschte Buschfeld.
Und so las sich die militärische "Würdigung" dieses Waffengangs später im Generalstabsbericht: "Die Verfolgung der Hereros, insbesondere der Vorstoß... in das Sandfeld, war ein Wagnis gewesen, das von der Kühnheit der deutschen Führer, ihrer Tatkraft und verantwortungsfreudigen Selbsttätigkeit ein beredtes Zeugnis ablegte... Diese kühne Unternehmung zeigte die rücksichtslose Energie der deutschen Führung bei der Verfolgung des geschlagenen Feindes in glänzendem Lichte. Keine Mühen, keine Entbehrungen wurden gescheut, um dem Feinde den letzten Rest seiner Widerstandskraft zu rauben; wie ein halb zu Tode gehetztes Wild war er von Wasserstelle zu Wasserstelle gescheucht, bis er schließlich willenlos ein Opfer der Natur seines eigenen Landes wurde. Die wasserlose Omaheke sollte vollenden, was die deutschen Waffen begonnen hatten: die Vernichtung des Hererovolkes... Das Drama spielte sich auf der dunklen Bühne des Sandfeldes ab. Aber als die Regenzeit kam, als sich die Bühne allmählich erhellte und unsere Patrouillen bis zur Grenze des Betschuanalandes vorstießen, da enthüllte sich ihrem Auge das grauenhafte Bild verdursteter Heerzüge. Das Röcheln der Sterbenden und das Wutgeschrei des Wahnsinns... sie verhallten in der erhabenen Stille der Unendlichkeit! Das Strafgericht hatte sein Ende gefunden. Die Hereros hatten aufgehört, ein selbständiger Volksstamm zu sein."
Tatsächlich schien die Hereronation dem völligen Untergang geweiht, und das mittlere Südwestafrika droht, zur Wüste zu werden. "Da trat zum Glück für das Land ein Umschwung in der Auffassung der leitenden Stellen ein." Der 1905 nach Südwest beorderte neue Zivilgouverneur v. Lindequist setzte sich mit der Rheinischen Mission in Verbindung. Er erließ eine Proklamation, in der allen Hereros, die sich in bestimmten, von Missionaren geleiteten Lagern einfänden, das Leben zugesichert wurde, sofern sie nicht nachweisbar einen Mord begangen hätten. Auch das sich noch in ihrem Besitz befindende Vieh sollte ihnen belassen werden. 14000 Hereros, Männer, Frauen und Kinder, "konnten gesammelt werden". Was sie mitbrachten, waren drei Pferde. Ihre Viehbestände lagen verdurstet in der Omaheke. Unterstaatssekretär v. Lindequist schätzte im Dezember 1905, daß zwei Drittel des Hererovolkes umgekommen seien. Diese Zahl war mit ziemlicher Sicherheit zu niedrig gegriffen, es wurden doch am 1. Januar 1908 im Schutzgebiet nur 16360 Hereros gezählt. Folglich mußten drei Viertel des Volkes dem Vernichtungskampf zum Opfer gefallen sein.
In Deutschland glaubte man nach der Schlacht am Waterberg, "eine friedliche Entwicklung der mit so viel Opfern an Blut und Geld erworbenen Kolonie erwarten zu können". Da brach im Oktober 1904, völlig unerwartet, "ein neues Kriegswetter herein". Dem Aufstand des Nordens folgte die Erhebung des Südens. Zum zweiten Male erhob sich Hendrik Witbooi, nachdem er sich ein Jahrzehnt lang an den 1894 in der Naukluft geschlossenen Friedensvertrag gehalten und zu Beginn des Herero-Feldzuges den Deutschen sogar Hilfstruppen geschickt hatte. Über die Gründe dieses Sinneswandels sind zwei Theorien aufgestellt worden. Die eine unterstellt Witbooi, daß er sich plötzlich in einem Anfall religiösen Wahnsinns zur Vertreibung aller Weißen aus Afrika berufen glaubte, die andere geht von der Annahme aus, daß er sich ausschließlich seinem Bezwinger von einst, mit dem er Frieden geschlossen hatte, Major Leutwein, verpflichtet gefühlt habe, nicht aber dessen Nachfolger, Generalleutnant v. Trotha.
Am 3. Oktober 1904 übersandte Hendrik Witbooi dem Bezirksamtmann von Gibeon, Hauptmann v. Burgsdorff, eine förmliche Kriegserklärung. Daraufhin setzte sich dieser, dem die Nachricht unglaublich erschien, nach Rietmont in Marsch. Unterwegs wurde er jedoch erschossen. Damit begannen die letzten großen Kämpfe in Südwest. Die Aufständischen waren berittenen und gut bewaffnet. Sie sammelten sich "in der Stärke von 500-600 Gewehren" bei Rietmont und Kalkfontein. Dort schlossen sich ihnen die Rote Nation, die Fransman-Hottentotten von Gochas, ferner ein Teil der Bethanier und schließlich die zunächst als treu gemeldeten Veldschoendrager an. Die Kriegführung erwies sich als äußerst schwierig. Die Schauplätze verlagerten sich in unwegsame, wenig bekannte Gebiete des Südens, was den Nachschub außerordentlich erschwerte. Zudem war der Hottentottenkrieg "nicht ein Kampf mit zusammengeballten Kriegermassen". Vielmehr gliederte er sich in eine Anzahl kleinerer Abschnitte, so daß an der Naukluft, am Fischfluß, in den Hochebenen an den Karasbergen, in der Kalahari und sogar in der Nähe des Oranje, des Grenzflusses zum Kapland, gekämpft werden mußte, wobei nicht nur die Witboois schwere Verluste erlitten.
Als Hendrik Witbooi schließlich in der Nähe Bersebas am 29. Oktober 1905 einen Verpflegungstransport angriff, wurde er verwundet und starb wenig später. Mit dem Tod ihres Anführers war die Widerstandskraft der letzten Witbooi-Hottentotten gebrochen, die Nation vernichtet. Trotzdem sollten die Kämpfe andauern, standen doch Witboois Anhänger mit ihren Banden fast noch ein Jahr lang im Felde. Neue Führer traten an die Spitze, so zuletzt der berüchtigte Morenga, ein nicht ungebildeter ehemaliger "Kapboy, der sich zu Großem berufen glaubte". Er hatte bereits Ende 1904 eine Art Eingeborenentruppe zusammengestellt und den Deutschen zwischen Karasbergen und Oranje vereinzelt Gefechte geliefert. Noch aber stand er im Schatten des legendären Witbooi. Erst nach dessen Tod wuchs die Zahl seiner Anhänger schlagartig.
Von den Engländern in mehrfacher Hinsicht unterstützt, glaubte er sich als kriegführende Macht anerkannt. Aus deutscher Sicht war er nicht mehr als ein Viehdieb und Bandenführer. Am 19. Mai 1905 von Hauptmann Siebert bei Leukopp, dicht an der englischen Grenze, "glänzend geschlagen", setzte er sich ins Kapland ab, wo er angeblich entwaffnet wurde. Doch bereits am 17. Juni griff er bei Narus die Abteilung des Majors v. Kamptz an und brachte ihr einen Verlust von 17 Toten und 30 Verwundeten bei. Die Kamptz’sche Truppe konnte nur mühsam ersetzt werden. Einen vorübergehenden Waffenstillstand nutzte Morenga zur Stärkung seiner Kräfte, um dann am 7. Oktober mit Einnahme der Station Jerusalem den Kampf von neuem zu beginnen. In dem Gefecht bei Hartebeestmund hatte "unsere Abteilung... 21 Tote und 34 Verwundete", was Morenga abermals zu großem Zulauf verhalf.
Am 28. Dezember 1905 setzte sich einer unserer erfahrensten "Afrikaner", Major v. Estorff, mit 13 Kompanien, 11 Geschützen und 6 Maschinengewehren in Marsch. Sein Gegner war Morenga, der im Begriff war, sich mit dem Namaführer Morris und dessen Kräften zu vereinigen. Im März 1906 wurden Teile seiner Bande gestellt und geschlagen. Morenga, überall gejagt, verlor immer mehr Leute. Im Mai verfolgte ihn eine Einheit unter Hauptmann Bech auf englisches Gebiet und vernichtete seine Kolonne bis auf Morenga selbst und 10 Mann. Was dann geschah, ist in zeitgenössischen Berichten zumeist mit der lakonischen Feststellung umschrieben worden, Morenga habe im Jahre 1907 vom Kapland aus erneut versucht, "die Fahne des Aufruhrs zu erheben", sei jedoch von der Kappolizei "ereilt und im Kampfe getötet" worden. Aus dieser Darstellung geht nicht hervor, daß Morenga, der in die Kalahari ausgewichen war, einer gemeinsamen militärischen Aktion deutscher und englischer Streitkräfte erlag. Man fürchtete auf englischer Seite, daß weitere Erfolge des von allen Schwarzen Südafrikas hoffnungsvoll und gläubig verehrten Freiheitskämpfers auch im Kapland Unruhe stiften würden. So erklärt sich, daß Morengas Tod am 20. September 1907 in Upington, auf englischem Boden also, gemeinsam gefeiert wurde. Und nicht nur das Hissen der deutschen Flagge deutete an, daß sich Engländer und Deutsche nähergekommen waren.
Obwohl sich die im Südosten kämpfenden Bondelzwarts bereits im Dezember ergeben hatten, waren die Unruhen mit dem Tode Morengas noch immer nicht beendet. Vielmehr versuchte nun Simon Copper, mit seinen Khauas-Hottentotten in der Kalahari die Rolle seines Rivalen zu übernehmen. Er wurde nach langwierigen und blutigen Kämpfen 1908 von einer Truppeneinheit unter Führung des Hauptmanns v. Erckert, der im entscheidenden Gefecht fiel, geschlagen. Gegen die Stämme, die sich an den Aufständen beteiligt hatten, wurden harte Strafmaßnahmen durchgesetzt. So wurden ihnen ihre Stammesvermögen - Land und Vieh - abgesprochen, Konzentrationslager eingerichtet und scharfe Gesetze zur Kontrolle der Arbeitskräfte (Paßpflicht) erlassen. Nun war das Land "beruhigt". Der Preis: Drei Viertel des Hererovolkes und nahezu die gesamte Witbooi-Nation vernichtet, dazu 800 im Kampf gefallene und 700 an Typhus und anderen Krankheiten zugrunde gegangene deutsche Soldaten. Der finanzielle Aufwand: eine halbe Milliarde Mark.


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